Mit Thomas Mann im Weinkeller der Meng-Straße - Lübeckfahrt eines Deutsch-Leistungskurses

Der Kurs mit Nachtwächter

Angeregt von Lars, im Kurs diskutiert und geplant, beantragt vom Kursleiter, genehmigt vom Schulleiter, erlebt: vom 7. bis zum 11. Januar war unser Deutsch-Lk1 in Lübeck.
Während der Rest der Schule am ersten Schultag des neuen Jahres wieder im Unterricht  saß, bestiegen wir den ICE nach Hamburg, von wo es mittags mit dem Regionalexpress weiter nach Lübeck ging. Nach der Zimmerverteilung im Hotel am Dom waren wir alle sehr gespannt auf den Nachtwächter, der uns bei einsetzender Dunkelheit am Hotel abholte und sich sofort unsere Sympathien sicherte: keine Jahreszahlen, keine bedeutenden Persönlichkeiten, nichts von Manns und Buddenbrooks, stattdessen Lustiges, Nachdenkliches, Bemerkenswertes mit und ohne Flunkern. Wir wurden durch verzweigte und vor allem enge sowie dunkle Gassen geführt, die sogenannten Gänge. Der eine oder andere Joel stieß sich den Kopf in den niedrigen Hausdurchbrüchen. Zu jedem dieser Gänge gab es unterhaltsame Geschichten, die trotz Nieselregens für gute Stimmung im Kurs sorgten.

 

Mit dem Dienstag kam dann der Bildungstag. Vormittags wurden wir durch die Altstadt geführt, und zwar auf den Spuren der Buddenbrooks und das in mehrerlei Hinsicht. Die Orte, die im Roman genannt sind (Mengstraße, Bäckergrube, Rathaus, das Katharineum an der Königstraße, Hannos Folterschule, die Marienkirche, das Theater, der Kornspeicher an der Trave) wurden ebenso abgelaufen wie die, an denen die unterschiedlichen Verfilmungen des Romans gedreht wurden. Beeindruckend Foyer und Innenhof der Musikhochschule Lübeck, wo in der Verfilmung von 1978 die Treppenhaus- und Gartenszenen gedreht wurden.

 

Am Nachmittag besuchten wir das Buddenbrookhaus.
»Thomas, mein Sohn, sei mal so gut«, sprach Johann Buddenbrook und zog sein großes Schlüsselbund aus der Beinkleidtasche. »Im zweiten Keller rechts, das zweite Fach, hinter dem roten Bordeaux, zwei Bouteillen, du?« Und Thomas, der sich auf solche Aufträge verstand, lief fort und kam wieder mit den ganz verstaubten und umsponnenen Flaschen (S.31).

 

Genau in diesem Keller begann unsere Führung und endete im „Landschaftszimmer“. Ein bisschen  enttäuscht waren wir schon, denn das Buddenbrookhaus sollte eher Mannhaus heißen. Übrigens erfuhren wir, dass das Originalhaus in der Mengstraße bis auf den Keller 1942 einem britischen Bombenangriff, der ein Fünftel der Altstadt zerstörte, zum Opfer fiel.

 

Am Mittwoch waren wir morgens im Rathaus, wo Thomas Buddenbrook zum Senator gewählt wurde und wo im Mittelalter das Hansegericht seinen Sitz hatte. Nachmittags fuhren wir mit dem Bus das Burgtor hinaus nach Travemünde. Was für Hanno den Beginn der schönsten Zeit des Jahres einleitete, war für uns – was das Wetter angeht – der schlechteste Tag, denn es regnete nur einmal:  von morgens bis abends. Ein wunderschöner Strand mit Ausblick auf Ostsee, Großsegler Passat  und Hafen ist nicht mehr ganz so schön, wenn es stürmt und die Hose nass ist.

 

Am Donnerstag gab es Wahlprogramm: je nach Interesse das Holstentor mit Museum und Folterkammer, den Dom, Grass- und Willi-Brandt-Haus, Cafe Niederegger mit ganz viel Marzipan und natürlich Shopping.

 

Zum Wahlprogramm gehörten auch die beiden Abende im Jazz-Keller des CVJM.
Jeden Abend um 18 Uhr gingen wir zum gemeinsamen Abendessen, wo wir unsere internationale Qualität unter Beweis stellten: Italiener, Grieche, dänisches Steakhaus, Chinese. Natürlich wurde bei diesen Abendessen viel gelacht und man verstand sich auf freundschaftlicher Basis sehr gut. Herr Beyer und Frau Schillings waren für diese Woche weniger Lehrer als Freunde, mit denen man ausgelassen die Kursfahrt genießen konnte.

 

Der letzte Abend in einer standesgemäßen Kneipe, eine Mischung aus „Happy Hour“ und Weh(r)mut, guter Stimmung und der Einsicht, dass auch die schönste Kursfahrt nur eine Woche dauert, rückte erbarmungslos näher, ebenso wie die Rückfahrt am Freitag.

 

Wir bedanken uns bei Herrn Beyer und Frau Schillings für die tolle und unvergessliche Woche, die unseren Kurs noch einmal zusammen schweißte.

 

Auch Herrn Prepens sei Dank, dass wir noch einen kleinen Trip kurz vor dem Abitur machen durften.

 

Fatima Jabeur und Lars Leuker
 

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