Eine Schule für alle

Die Gesamtschule Bockmühle: Eine Schule für alle!

 

 

 

(K)eine Klasse wie alle anderen
Wer in diesem Schuljahr den Klassenraum der Klasse 5d betritt, bemerkt schnell, dass hier etwas anders ist. Auf den ersten Blick ist aber nur die Anzahl der Schüler als Unterschied zu fassen. Denn in der 5d lernen weniger Kinder als in den anderen Klassen und es sind immer mindestens zwei Erwachsene  (Lehrer, Förderschullehrer, Sozialpädagoge, Integrationshelfer) im Raum.
Um die weiteren Unterschiede auszumachen, braucht man mehr Zeit und einen aufmerksamen Blick. Wer einen ganzen Tag in dieser Klasse bleibt, kann feststellen, dass die Schüler viel Zeit damit verbringen, an sich selbst zu arbeiten. Der klassische belehrende Unterricht – einer erklärt die Welt und die anderen hören zu – findet hier nicht statt. Und wer eine ganze Woche in der Klasse bleibt, der wird merken: Hier stehen die Schüler im Mittelpunkt der Arbeit und jedes Kind wird individuell gefördert.

  

Unterricht in den Integrationsklassen
Um eine optimale Förderung aller Schüler zu erreichen, setzen wir in unseren Integrationsklassen auf individualisierte Lernformen. Während der Freiarbeit können die Schüler sowohl an ihren Schwächen als auch an ihren Stärken arbeiten. Im Projektunterricht erarbeiten sich die Schüler ein Thema von verschiedenen Seiten und mit unterschiedlichen Blickwinkeln. So wird der Unterrichtsinhalt „sinn“voller und kann besser behalten werden.
Eine weitere Besonderheit dieser Klasse aber kann man nicht einfach sehen. Als Integrationsklasse eingerichtet, sind auch Schüler mit Behinderungen in dieser Klasse. Während die körperliche Behinderung einer Schülerin durch den Rollstuhl wahrnehmbar ist, kann man die Lernbehinderung einiger anderer Schüler nicht sehen. Erst bei der Rückgabe von Test oder der Ausgabe der Zeugnisse fällt auf: Die Schüler mit Lernbehinderung erhalten keine Noten, sondern ausführliche Berichte über ihre Lernfortschritte.

 

Warum Integrationsklassen?
Die UN-Kovention über die Rechte von Menschen mit Behinderung hat den Weg vorgegeben: Menschen mit Behinderung sollen nicht mehr ausgeschlossen werden vom allgemeinen Schulbesuch. Um dieses Recht zu verwirklichen, standen in Essen in der Vergangenheit jedoch nur 20 Plätze in integrativen Lerngruppen zur Verfügung.
Als größte Essener Gesamtschule sah sich die Schulgemeinde der Gesamtschule Bockmühle in der Pflicht, diesem Recht zur Umsetzung zu verhelfen. Versuchsweise wurden zum Schuljahr 2011/12 erstmalig zwei Integrationsklassen eingerichtet, in denen Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen.

 

Auf dem Weg zur inklusiven Schule
Wir sind davon überzeugt und wissen aus wissenschaftlichen Untersuchungen, dass das gemeinsame Lernen von Schülern mit und ohne Behinderung viele positive Effekte hat. Am offensichtlichsten ist dies beim sozialen Lernen. Aber auch das fachliche Lernen kommt nicht zu kurz. Mehrere Studien haben gezeigt: In integrativen Klassen werden die leistungsschwachen Schüler besser und die leistungsstarken Schüler können ihr Niveau halten oder werden besser. Die häufig geäußerte Angst, die leistungsstarken Schüler könnten in ihrer schulischen Entwicklung gehemmt werden, entbehrt also jeder Grundlage.

 

Für Lehrer, Eltern und Schüler der Gesamtschule Bockmühle steht fest:
Unsere Schule ist für alle da. Auch zukünftig werden wir Integrationsklassen einrichten und bereiten uns darauf vor, eine inklusive Schule zu werden.
Reto Stein, 13.12.2011