Entwicklung

Mit der Gründung der Gesamtschule Bockmühle in Essen-Altendorf im Jahre 1972 verfolgte der Schulträger die Absicht, einen vom Bildungsangebot her unterversorgten Stadtteil ausgleichend zu bedienen. Dennoch bemühten sich Eltern aus dem gesamten Stadtgebiet und darüber hinaus, ihre Kinder hier anzumelden. Auf die damals 270 freien Plätze je Jahrgang meldeten sich weit mehr Kinder an, als aufgenommen werden konnten.

 

Die Größe der Schule war gewollt, war sie doch die Garantie für ein breit gefächertes Unterrichtsangebot, das im Sinne der Zielsetzung die Ausprägung sehr unterschiedlicher, individueller Schullaufbahnen zuließ oder gar erst ermöglichte.

 

Von Anfang an war die Gesamtschule Bockmühle in den Köpfen von Eltern, Grundschullehrerinnen und Grundschullehrern der Ort, zu dem man bevorzugt Kinder schickte, die zu Hause keine oder zu wenig Hilfe und Betreuung hatten, durch ihr Verhalten mehr Betreuung einforderten, soziale Defizite und/oder Leistungsdefizite zu verzeichnen hatten. Die Schule hat sich diesem Anspruch immer gestellt und Betreuungs- und Beratungsangebote und -verfahren entwickelt, die notwendigerweise weit über den Unterrichtsbereich hinausgehen.

 

Die Gründung der drei jüngeren Gesamtschulen in Vogelheim, Borbeck und Holsterhausen bewirkte, dass Essens größte Gesamtschule, die Bockmühle, faktisch den kleinsten Einzugsbereich erhielt. Da die Nachfrage nach Gesamtschulplätzen stadtweit das Angebot jedoch immer noch überstieg (und übersteigt), wurde die Gesamtschule Bockmühle zum Auffangbecken für all jene Schülerinnen und Schüler, die an den übrigen Gesamtschulen - mit vier bis sechs Zügen deutlich kleiner - keine Aufnahme fanden, jährlich zwischen 60 und 100 Schülerinnen und Schüler.

Parallel dazu vollzog sich eine spürbare Veränderung in der Sozialstruktur des Stadtteils, die mit geprägt wird durch höhere Arbeitslosigkeit, einen größeren Anteil Alleinerziehender, einen wachsenden Anteil ausländischer Bürger, zunehmende Bildungsferne und hohe Fluktuation.

Mit der so zu beschreibenden Veränderung der Aufnahmesituation veränderte sich die Schülerschaft hinsichtlich des Umfangs zu bewältigender sozialer, erzieherischer und unterrichtlicher Probleme deutlich. Zu leisten ist die pädagogische Arbeit von einem Kollegium, das zwar durch drei Sozialpädagogen und eine Schulpsychologin wirkungsvoll unterstützt wird, in seiner Zusammensetzung aber auf eine sechszügige Oberstufe ausgerichtet ist und nicht auf eine zweizügige.

 

In dieser Situation ergab sich für Schulleitung, Kollegium und die Mitwirkungsgremien die Aufgabe die tägliche Bildungs- und Erziehungsarbeit mit einem möglichst effektiven Konzept zu bewältigen,
und gleichzeitig perspektivisch an einer Veränderung der Situation zu arbeiten.

  

Das folgende Schulprogramm befasst sich in erster Linie mit der Bewältigung der täglichen Bildungs- und Erziehungsarbeit für die konkret vorhandene Schülerschaft in ihrem konkret gegebenen Umfeld und in einem knappen Ausblick mit der zu führenden Diskussion um Perspektiven.