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Abitur in den Händen – jetzt kann  gefeiert werden!

Zuerst ein Glückwunsch an alle, die es geschafft haben:

Elias Ariaghani – Sonja Asis – Johannes Benesch – Nadine Bieling – Romina Czwienk – Michael di Marco – Samir El-Messaoudi – Giovanni Erlach – Yasmin Ewert – Carina Fischbach – Vanessa Fleckhaus – Marcel Gaspar – Patrick Höfmann – Halina Khalegi – Jacqueline Klaus – Sandro Knorr – Malina Kursawe – Nadine Lachnicht – Jennifer Landwehr – Mike Lewandowski – Malte Neubacher – Cem Sen – Jennifer Sunderbrink – Dennis Starke und Marcel von der Grinten bekamen während der Abiturfeier, die in diesem Jahr im Schloss Borbeck ausgerichtet worden war, ihr Zeugnis der Allgemeinen Hochschulreife überreicht.

Sabriye Gürkan, Gerald Guse und Carsten Jäckel hatten die Fachhochschulreife schulischer Teil erreicht und allen Anlass, an diesem Abend mitzufeiern.

In einer Begrüßungsrede erinnerten Sonja Asis und Samir El-Messaoudi an die vielen Erlebnisse, die ihr Jahrgang im Unterricht, aber auch bei den verschiedenen Fahrten und Aktionen (Finnlandbegegnung, Skifreizeit, Londontrip, Besuch im Hochseilgarten) hatte machen können, was sehr zum gegenseitigen Kennenlernen und zur Teamfindung beigetragen hatte. Sie bedankten sich bei Frau Bier als ihrer Beratungslehrerin und Herrn Achtelik als Abteilungsleiter für deren Einsatz auf dem Wege bis zum Abitur.

Danach hielt der Schulleiter Herr Prepens seine Abschiedsrede, die nachdenklich stimmte, aber wegen ihres humorvollen Stils auch mit Gelächter und viel Applaus bedacht wurde (Redetext siehe unten). Auch Frau Bier und Herr Achtelik, die den Jahrgang beraten und betreut hatten, erinnerten sch in einer dialogisch aufgebauten Rede an die vielen guten Erfahrungen, aber auch an die Sorgen und skeptischen Momente, die die drei Oberstufenjahre begleitet hatten.

Bei der anschließenden Verteilung der Abiturzeugnisse und einiger Buchpreise als Anerkennung für besondere schulische Leistungen bzw. herausragendes Engagement für die Schülervertretung oder im Blasorchester sah man durchweg strahlende Gesichter, die die Freude ausdrückten, dass der Abiturstress, den einige bei Nachprüfungen noch in den Tagen zuvor auf sich hatten laden müssen, nun endlich vorbei war und man sich gemeinsam auf die Zukunft freuen durfte.

Nadine Lachnicht und Jacqueline Klaus bedankten sich mit Geschenken bei Frau Bier und Herrn Achtelik für die gute Betreuung.

Nach einer Bilderfolge von Impressionen aus dem gemeinsamen Schulleben des Jahrgangs kam dann der Diskjockey zum Zug und alle konnten froh und ausgelassen das Tanzbein schwingen.
J.Friedrich, 30.6.09



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Rede des Schulleiters Herr Prepens auf der Abiturfeier am 27. Juni 2009

Liebe Eltern, liebe Gäste, liebe Kolleginnen und Kollegen, und - letztmalig - liebe Schülerinnen und Schüler!

Ich habe die Pflicht oder die große Ehre Euch mitzuteilen, dass jetzt der Ernst des Lebens beginnt.
Ihr müsst nicht verzweifeln, das hat man euch schon vier- oder fünfmal gesagt und der Spruch stimmte nie, aber er hält sich.

Der Ernst des Lebens begann, als ihr in den Kindergarten kamt,
der Ernst wurde noch ernster, als es in die Grundschule ging,
in die S I ,
in die S II 
und jetzt in die,
ja wohin –
 irgendwie ins Leben.
Und das Leben an sich ist überhaupt der ernsteste Ernst des Lebens sozusagen.
Dieser Schnitt jetzt, das Abitur oder die Fachhochschulreife, die machen alles bisher Da - Gewesene zu Peanuts:
  • die volle Windel, die einen zum Brüllen veranlasst hat
  • die Erfahrung, dass man heiße Herdplatten nicht anfasst
  • den ersten ausgefallenen Milchzahn,.
  • den ersten ausgehauenen und
  • das siegreich und ehrlich erworbene blaue Auge
  • eine fünf+ in Sport auf dem Abschlusszeugnis
  • den Verlust der ersten Lebensabschnittsgefährtin  an Marcel vom Bauteppich, weil der immer Kinderschokolade dabei hatte
Alles Peanuts.
Los geht es jetzt erst, also so richtig.
Raus aus dem Kinderzimmer und
eh
oder vielleicht doch erst mal nur umdekorieren in ein Appartement im Hotel Mama?
Also das zumindest.
Also weg mit den  Restteddys, heimlich gelesenen Mickymausheften oder anderen literarischen Kindheitserinnerungen, Grundschulphotos vergraben, und vor allen Dingen den Spruch von der Wand nehmen, der die Schule zum Vorspiel machte:

Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.

Vielleicht ist der Satz auf Latein gesagt worden und keiner hat ihn verstanden, aber alle haben genickt, vielleicht ist er so nicht gesagt worden wie hier und jetzt, aber in irgendeiner Variation war er da und präsent- immer :  „Denk mal an später,“ „Wenn du das in der Lehre machst, fliegst du raus“,  „was du jetzt versäumst, holt dich nie wieder ein, holst du nie wieder rein“.

Dreizehn Jahre lang habt ihr fürs Leben gelernt, manche, die älter werden wollen, haben auch vierzehn Jahre fürs Leben gelernt.
Manche, die die Lehre geschmissen haben,  haben dabei gelernt, dass sie auch für die Schule hätten lernen sollen.
Wie dem auch sei: Ihr habt jetzt dreizehn oder vierzehn  Jahre Lehre hinter Euch und die Gesellenprüfung fürs Leben bestanden, ihr seid sozusagen reif fürs Leben.

Vierzehn Jahre Lehrzeit für statistisch noch siebzig Jahre Job .
Das müsste reichen, um die kommenden 70 Jahre jetzt aber auch so richtig spontan runterleben zu können!

Ihr habt keinen Plan?
„Spontan“ habt ihr nicht geübt? 
Ja – dann , dann macht euch am Besten erstmal so ne Mindmap zum Thema.

Zentraler Begriff im Mittelkreis:
Plan für die nächsten 70 Jahre

Wer den Zeitraum für zu lang erachtet, um ihn verlässlich planen zu können, sei daran erinnert, dass er in einem Lande lebt, in dem es hundertjährige Kalender gibt mit Wettervorhersagen für den  Juni 2063 vormittags.
Also zentrale Frage: Welcher Plan für die nächsten 70 Jahre?

Und da gibt’s ja Orientierungsmöglichkeiten.

Wenn wir uns vor 50 oder 100 Jahren aus dem gleichen Anlass hier getroffen hätten, dann wäre eine Orientierung, eine Lebensregel die gewesen.

Haste was, dann biste was
Biste was, dann kriegste was,
kriegste was, dann haste was,
haste was, dann biste was.

Die Fortsetzung dieser Erfolgsstory ist offensichtlich.
Wenn man das durchgehend berücksichtigt, kann man weit kommen.
Und soweit ist ja dann auch schon gekommen.

Wenn man das durchgehend berücksichtigt, dann bleibt man unter sich.
Wenn Haben die Voraussetzung für Sein ist, dann können die, die nix haben, auch nix werden.
Die können dann nur bleiben, was sie sind, arm dran.

Wem das jetzt zu allgemein formuliert ist, dem diene die Klartextversion.
Wenn du aus genannten Gründen was geworden bist, Bankdirektor z.B. oder Chefsanierer bei Karstadt, dann muss du dafür sorgen, dass das Kriegen, also deine persönlichen Einnahmen, völlig losgelöst zu sehen sind von deinem Tun, du musst also verdienen und Verdienst trennen.
Wenn du bist, weil du hast, dann kriegst du, weil du bist, und nicht, weil du tust.
Wenn es also dein Verdienst ist, eine Bank oder Karstadt vor die Wand zu fahren, dann hat das nichts mit den Bonuszahlungen zu tun, die dir für erfolgreiche Geschäftsführung zustehen. Leute, die was sind, weil sie was haben, die kriegen Leistungszulagen auch für den Fall, dass die Leistung ausbleibt. Das kann man vertraglich vereinbaren mit anderen, die auch sind, weil sie haben, und kriegen, weil sie sind.

Wer jetzt glaubt, das sei populistisch, der hat Recht. Diesem unserem Volk ist erst kürzlich bescheinigt worden, dass die Abhängigkeit beruflichen Erfolges von der Herkunft – und damit ist jetzt mal nicht nur der berühmte Migrationshintergrund gemeint- so groß ist wie sonst kaum irgendwo.

Zurück zur Mindmap.
„Haste was, dann biste was“ war ein Lebensentwurf.
Aber es gibt ja auch noch andere.
Gegenteilige sozusagen.

Da gab es mal einen Satz, der das Leben im Kommunismus charakterisieren  oder Leitfaden dafür sein sollte.
Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.
Den Satz muss man in Zeiten, in denen die Beziehung zwischen Nominativ und Dativ nicht so ganz klar ist, vielleicht auch übersetzen, um die Brisanz deutlich zu machen.
Jeder tut echt, wat er kann, reißt sich richtig wat auf, und nimmt nur dat, kriegt nur dat, watter braucht.

Also du schuftest- wenn et kanns- wien Pferd. Und wirs bezahlt wien Pony. Und n anderer arbeitet wien Pony und braucht und kricht wien Pferd.

Wobei: bezahlt wirst du da gar nicht, du kriegst, was du brauchst. Das ist ein Unterschied.
Da könnte es Leute geben, die viel weniger tun (können) als du, aber mehr brauchen, weil sie 10 Kinder haben, krank sind, kranke Kinder haben, geistig behindert sind.

Wenn also bei Haste was, dann biste was, biste was, dann kriegste was die  Einnahmen völlig unabhängig davon flossen, ob du anständig gearbeitet hast, arbeitest du bei Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen richtig gut und heftig, völlig unabhängig davon, was du kriegst.
Das wäre so,
  • als würde Ribery deshalb klasse Fußball spielen, weil es ihm Spaß macht und er es kann, und nicht für Geld,
  • als würde ein Arzt deshalb einen Patienten heilen, weil er diesem helfen will und es kann, und nicht, weil er dafür bezahlt wird,
  • als würde ein Lehrer lehren und erziehen, weil er was zu sagen hat, und nicht, weil das Landesamt für Besoldung und Versorgung darauf besteht.
  • Und das wäre so, als würde ein Schüler freiwillig zusätzliche Lernangebote wahrnehmen, auch wenn dafür kein anderer Unterricht ausfällt.
Die Idee hat sich denn auch nicht durchgesetzt, jedenfalls in den bisherigen Versuchen nicht.

Wer es mit Sprichwörtern hat, könnte jetzt erklärend beisteuern: Der Geist war willig, aber das Fleisch war schwach.

Und hätte damit die Überleitung geschaffen zu einem weiteren Punkt auf der Mindmap.

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
Der Satz ist 2000 Jahre alt und so etwas wie die christliche Grundüberzeugung als Handlungsanweisung in einem Satz.
Wenn sich dieser Satz inzwischen hätte flächendeckend umsetzen lassen, wäre Vorschlag 1 kein Thema und Vorschlag zwei nicht nur so ne Idee gewesen.
Liebe deinen Nächsten wie dich selbst
Das setzt das Ende von Neid voraus, von Egoismus - und auf diese Antriebsfedern menschlicher Erfolgsgeschichte wollte dann eigentlich niemand verzichten –  das Bodenpersonal des lieben Gottes eingeschlossen.
Konkurrenzlosigkeit, das wäre das Ende von Werbung, Balzverhalten, Mode,  Rachefeldzügen, Korruption-  was hängen da für Arbeitsplätze dran.

Man hat die Umsetzung dieser Vorgabe auf das Eintreffen paradiesischer Zeiten und Zustände vertagt und bis dahin die Festlegung getroffen, dass sich jeder selbst der Nächste sei; und damit ist ein Kompromiss erreicht worden, der einen echten Ausgleich schafft zwischen Anspruch und Wirklichkeit –
diesen Nächsten kann jeder lieben, auch schon auf Erden.

Wer von Euch jetzt ein wenig ratlos auf die Mindmap schaut, glaubt, nichts gefunden zu haben, was er als Motto für die nächsten 70 Jahre übers Bett oder übers Leben hängen könnte, der kommt vielleicht beim letzten Vorschlag zurecht.

Dieser Vorschlag stammt von keinem Philosophen, keinem Religionsstifter oder vielleicht von allen.
Es ist der etwas umgewandelte § 1 der deutschen Straßenverkehrsordnung.
Die ist ja mal entstanden, weil man nach der Entwicklung des ersten Automobils in Deutschland Regelungsbedarf verspürte für den Fall, dass ein zweites gebaut würde.
Kein anderes Volk hat dafür so ein Gespür wie wir, also für Regelungsbedarf.
Wer schriftlich festhält, dass zum Beispiel die Dienstreise eines Beamten beendet ist, wenn der Beamte auf der Dienstreise stirbt, der regelt nicht nur, der plant auch vorausschauend.
Und bei der Erstellung der Straßenverkehrsordnung, da wusste man, dass man die Entwicklung, die das Automobil und der Verkehr nehmen würden, zwar nicht voraussehen kann - nichtsdestotrotz aber regeln muss.
Und dabei ist folgender, von mir für heute Abend abgeänderter Satz gelungen:
Jeder Teilnehmer am öffentlichen und privaten Leben hat sich so zu verhalten, dass niemand anderes mehr als nach den Umständen unbedingt erforderlich belästigt, behindert oder gefährdet wird.
Dieser Satz ist auch deshalb bedeutsam, weil er den Verbraucher in die Pflicht nimmt, selbst nachzudenken. Diese Aufforderung ist in unserem Lande nicht durchgängig üblich.

Dem Satz ist also nichts hinzuzufügen, außer vielleicht, dass Addi Preissler, ehemals Spieler und Trainer von Borussia Dortmund, genau das gemeint hat, als er formulierte:
„Wichtig ist auf’m Platz.“
Und jetzt geht raus auf’m Platz, aber kommt zu Ehemaligentreffen am Freitag vor dem ersten Advent 2010 gefälligst wieder!