Bildung in Altendorf – eine Podiumsdiskussion zum 10-jährigen Jubiläum der Entwicklungsprojekte innerhalb des Programms „Soziale Stadt“ Im Theaterraum der Gesamtschule Bockmühle hatte sich am Abend des 28.5.2009 ein Kreis von Teilnehmern/innen eingefunden, von denen sich schon viele aus den verschiedenen Projekten und Netzwerken zu kennen schienen. Klaus Prepens, unser Schulleiter, begrüßte die Anwesenden, indem er auf die Schülerschaft aus 49 Nationen und mit 58% Migrationshintergrund hinwies und damit die Bedeutung der bildungspolitischen Arbeit an unserer Schule unterstrich. Als Besitzer eines schwedischen Ferienhauses ist er mit der Lebensphilosophie dieses Landes vertraut und konnte so den Leitspruch einer schwedischen Köchin aus dem 19.Jahrhundert dem Abend vorausschicken: „Man nehme, was man hat, und man singe, was man kann“. Diesem realistischen Optimismus folgte der Auftritt von Otto Herz, einem bundesweit bekannten Impulsgeber für schulische Innovationen. In seiner sehr grundsätzlichen, schwungvollen, die mentalen Grenzen in Frage stellenden Art stellte er einige Thesen in den Raum: - Jeder Mensch ist kompetent! Auch die Schüler/innen wollen nicht einer Förderkultur ausgesetzt werden, die ihre Schwächen diagnostiziert, um sie dann fördernd zu bearbeiten; Lehrer/innen sollten mehr beobachten, was die Schüler/innen können, daran ansetzen, sie von dort aus ihre Begabungen entwickeln lassen. - Lernen kann man überall; dem folgte ein Plädoyer, die Schule und den Unterricht für interessante Lernorte in der Umgebung mehr zu öffnen. - Fehler sind Freunde; wer aufbricht um zu lernen, sich oder die Institution zu entwickeln, darf das Risiko, Fehler zu machen, nicht scheuen. - Umwege erhöhen die Ortskenntnis. Das Bildungssystem sei keine Autobahn mit Leitplanken, sondern die Lernenden müssten die Möglichkeit haben, nach rechts oder links zu schauen, zu forschen und ihren eigenen Weg zu finden. (näher nachzulesen unter www.otto-herz.de - die Philosophie der community education) Es gebe zwei Vorstellungen von Bildung: Die erste habe die Befreiung von den Alltagslasten zum Ziel; dies könnten sich aber meist nur Menschen leisten, die die Alltagssorgen nicht auffräßen. Die zweite verstehe Bildung als Hilfe bei der Alltagsbewältigung, gebe Strategien z.B. der Beschaffung der notwendigen Informationen. Dennoch, so wies Otto Herz hin, bedeute „scola“ im ursprünglichen Sinne Muße; die solle man sich auch in der Schule gönnen; Turboschulen seien nicht anzustreben. Das Podiumsgespräch begann mit einem Interview mit Peter Renzel, städtischer Jugend- und Bildungsdezernent; er äußerte Stolz bezüglich der Entwicklungen im Stadtteil und der gelungenen Kooperation im Stadtteiltreff. Andrerseits betonte er seine Sorge mit Blick auf die nachwachsende Generation: Es gebe im Stadtteil viel zu wenig junge Menschen mit einem höherwertigen Schulabschluss, zu wenig Abiturienten/innen in Altendorf. Auch die Zahl der Abiturienten/innen an der Gesamtschule Bockmühle sei zu gering. Eine Reihe der Eltern nähmen ihre Verantwortung gegenüber ihren Kindern nicht genügend wahr bzw. könnten das nicht. Hier müssten die Bildungsinstitutionen die Eltern ansprechen, aber auch unterstützen und die Kinder bei der Verwirklichung ihrer Ziele mehr begleiten. Die Bildungschancen würden schon vor dem Kindergarten verteilt; d.h. die Eltern müssten so frühzeitig unterstützt werden. Der Übergang von der Grundschule in die weiterführenden Schulen müsse noch besser gestaltet werden. Hier müssten die Stadtteile noch genauer analysiert werden, um eine differenzierte Strategie entwickeln zu können. Frau Sondermannn von der Ehrenamtagentur bot positive Beispiele an, wie junge Menschen in ihrer Entwicklung begleitet werden könnten, z.B. durch Patenprogramme, oder wie die Sprachkompetenzen der Eltern durch ein Sprachpartnerinnen-Projekt gefördert werden. Karl-Heinz Everding, früher langjähriger Schulpflegschaftsvorsitzender an unserer Schule und selbst pensionierter Schulleiter, kritisierte Rahmenvorgaben des Landes, die die Entwicklung eher behindern würden. Er regte an, noch mehr Eltern in die Schulen hineinzuholen, die Kooperation mit Vereinen noch weiter auszubauen und musische Einrichtungen mehr im Stadtteil zu verankern. Frau Wittekopf vom Institut für Stadtteilentwicklung(ISSAB) der Universität Duisburg-Essen und Frau Liesner vom Büro Stadtentwicklung zogen abschließend ein zufriedenes Resümee dieser Veranstaltung und bedankten sich bei Otto Herz, den anderen Podiumsdiskussions-Teilnehmern/innen für die Anregungen und dem Publikum für sein Interesse. J.Friedrich, 1.6.2009 |
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