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Lehrer mit Migrationshintergrund? Ja klar!

Gemeinsam mit der Hertie- und die Zeit-Stiftung fand im Zeitraum vom 27.02.2009 bis zum 2.03.2009 im Mutterhaus Hotel in Düsseldorf erstmals ein mehrtägiges Seminar für 30 angehende Abiturienten mit Zuwanderungsgeschichte statt, die in ihrer Bewerbung Interesse am Lehrerberuf überzeugend darstellen konnten.
„Mehr Lehrer mit Zuwanderungsgeschichte“ gewinnen lautete das Leitmotiv für den Schülercampus 2009: Mehr Migranten werden Lehrer.  

Nachdem alle Stipendiaten/innen an der Rezeption willkommen geheißen worden waren  und ihre Schlüssel für das jeweilige Zimmer bekommen hatten, begann die Auftaktveranstaltung, die von Frau Dr. Antionetta P. Zeoli moderiert wurde. Frau Bürgermeisterin Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann eröffnete die Veranstaltung und begrüßt wurden wir von Herrn Staatssekretär Günter Winands.
Weitere Grußworte kamen von Herrn Dr. Markus Baumanns, dem geschäftsführenden Mitglied des Vorstandes der Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, von Frau Katharina Lezuis von der Gemeinnützigen Hertie-Siftung und von dem Integrationsbeauftragten des Landes NRW Herrn Thomas Kufen.
Interessant waren auch die Reden der Lehrkräfte des Netzwerks mit Zuwanderungsgeschichte, da sie ja eine Vorbildfunktion für uns haben.
Durch das gemeinsame Abendessen brach das Eis zwischen Schülern, Lehrern und Gästen. Für mich war es eine große Ehre mit Herrn Staatssekretär Günter Winands an einem Tisch zu sitzen und mich mit ihm über mein Interesse am Lehrerberuf und über meine Zuwanderungsgeschichte zu unterhalten. Die Kennenlernrunde am Abend war eine sehr gute Idee. Schnell kamen Schüler/innen und Lehrer/innen ins Gespräch. Faszinierend fand ich auch, wie schnell wir Schüler miteinander klarkamen, obwohl wir uns nicht kannten und aus verschiedenen Schulen kamen.

Am nächsten Tag gab uns Frau Prof. Dr. Petra Josting von der Universität Duisburg-Essen viele Informationen über das Lehrerbild, die Lehrerrolle und den Lehrerarbeitsplatz. Anschließend fand eine Gesprächsrunde mit Schulleitern und Lehrkräften mit Zuwanderungsgeschichte statt. Diese Menschen haben ihre Ziele trotz Schwierigkeiten erreicht. Sie haben uns vor Augen geführt, dass es - egal welche Hindernisse uns den Weg erschweren - , es sich lohnt weiterzumachen.
Doch um seinen Weg meistern zu können, muss man auch wissen, ob man für den Lehrerberuf geeignet ist. Prof. em. Dr. Klaus Schaarschmidt von der Universität Potsdam stellte uns Statistiken vor und zeigte uns die Kriterien, die den Lehrerberuf ausmachen. Dementsprechend war die Bewertung des Selbsteinschätzungstest nach den Kriterien spannend.
Später stand uns eine Stadtführung bevor mit dem Schwerpunkt „Schulen in Düsseldorf früher und heute“. Der Besuch der ältesten Schulbibliothek Düsseldorfs am Görres-Gymnasium war eine einzigartige Erfahrung für mich. Man bekam Bücher zu sehen, die man anderswo nirgends sehen kann.
Nach dem Abendessen fand ein literarischer Abend statt, wo Lehrkräfte aus dem Netzwerk Gedichte in ihrer Herkunftssprache vorlasen. Giuseppe Giambusso war der Ehrengast des Abends. Er las seine Gedichte vor und erzählte uns, wie er vom Schreiben der Gedichte immer wieder inspiriert wird.
Zuletzt war es unsere Aufgabe ein Gedicht in unserer Muttersprache zu schreiben und vorzutragen. Ich fand es sehr schön zu sehen, wie viele Gedichte in verschiedenen Sprachen vorgetragen wurden und die Akzeptanz der anderen zu spüren.

Am vorletzten Tag des Schülercampus machte uns Frau Oschewsky von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung mit dem Horizonte-Stipendium-Programm für die Fördermöglichkeiten des Lehramtsstudiums bekannt.
Am Nachmittag fand eine Stadtbegehung zu Heinrich Heine unter dem Motto: „Jede Zeit hat ihre Aufgabe, und durch die Lösung derselben rückt die Menschheit weiter“ statt.
Das Programm des letzten Abends war ein Improvisationstheater; es handelte sich um eine theaterpädagogische Auseinandersetzung mit dem Lehrerberuf. Ich hatte die Ehre in der Gruppe von dem Regisseur Herr Slava Lissin zu sein. Es bereitete uns sehr viel Spaß, da wir auch mit den Lehrern zusammen gespielt haben. Es war eine erstmalige Erfahrung für mich, die sich wirklich gelohnt hat.

Am letzten Tag fanden Hospitationen an Düsseldorfer Schulen statt. Ich besuchte das Leibniz-Montessori-Gymnasium. Zunächst hielten wir uns im Lehrerzimmer der Schule auf. Wir unterhielten uns mit den Lehrern und stellten ihnen Fragen, aber auch anders herum, da sie neugierig waren, warum wir unbedingt Lehrer werden möchten. Natürlich waren wir auch in Klassen. Wir gingen in der Klasse herum und unterhielten uns mit den Schülern und beobachteten ihr Arbeitsverhalten in einer der sogenannten Freiarbeitsstunden. Sie konnten selber entscheiden, was sie machen möchten, ob Hausaufgaben oder Übungen.Daraufhin werteten wir gemeinsam die Hospitation aus, indem wir Szenen von Schülern nachspielten und analysierten. Der Abschied fiel allen nicht leicht, da wir uns - Stipendiaten als auch Lehrer - wirklich in kurzer Zeit sehr gut verstanden haben. Das Besondere an dem Schülercampus war, dass es abwechslungsreich war. Wir haben eigenständig in Gruppen gearbeitet und diese auch präsentiert. Wir lernten die Schulen von Düsseldorf kennen und wir trafen einzigartige, nette und fachkompetente Menschen, unter ihnen natürlich auch die Lehrkräfte des Netzwerks, die sich hervorragend um uns kümmerten und für uns jede Zeit da waren und auch weiterhin für Fragen  zur Verfügung stehen. Ganz herzlich möchte ich Frau Dr. Antionetta P. Zeoli für ihre hervorragende Idee des Schülercampus danken und dass ich die Chance hatte eine dieser Stipendiatinnen zu sein. Ich wünsche allen viel Glück auf ihrem weiteren Weg. Ich rate allen. die sich für ein Lehramt interessieren, doch sich nicht sicher sind, da sie einen Migrationshintergrund haben, ihren Weg zu gehen, denn Deutschland braucht diese Lehrer/innen. 
Yasmin Dous


Yasmin Dous mit den Teilnehmern/innen der Tagung