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Romeo und Julia in den Großstädten – oder: „Wo bitte ist Kurdistan?“
Ein neues Theaterprojekt hat begonnen

Wenn man am 19. und 20. November  in den Schülertreff hineinblickte, konnte man ca 20 Schülerinnen und Schüler beobachten, die sich etwas merkwürdig verhielten, dabei aber augenscheinlich viel Spaß hatten: Sie verfolgten sich gegenseitig, spiegelten die Bewegungen und Gesten der anderen oder froren auf Kommando zu Salzsäulen ein. Doch unter ihnen bewegte sich auch ein Erwachsener, wie es sich herausstellte, Lutz Pickardt, der Regisseur, der schon im vergangen Schuljahr eine tolle Theateraufführung („Terrror im Kopf“) mit unseren Zehntklässlern auf die Bühne gebracht hatte.
Also wieder einmal Casting, das allerdings schon auf den ersten Blick ganz anders abläuft als in den Fernsehsendungen mit den hohen Einschaltquoten: Freundlich, motivierend, spielerisch die Möglichkeiten der Kandidaten und Kandidatinnen auslotend. Nach dem gemeinsamen Warmwerden sollten Kleingruppen  kleine Szenen improvisieren.  Eine Jury aus Lutz Pickardt, einer Mitarbeiterin von ihm und Herrn Abid aus unserer Schule gab dann den Schülerinnen und Schülern ein Feedback zu ihrem Auftreten.
Die thematische Idee, die Lutz Pickardt bei dieser Inszenierung ins Spiel bringen will, lautet „Wo bitte ist Kurdistan?“ Das literarische Motiv lehnt sich an die tragische Liebesgeschichte von Romeo und Julia an. Auch in diesem Stück soll es nämlich um eine schwierige Liebesgeschichte zwischen einem türkischen Jungen und einem kurdischen Mädchen gehen, die beide in  einer deutschen Stadt wir unserer leben. Kann das gut gehen oder muss daraus eine Katastrophe werden? Können Ablehnung, Vorurteile, gar Hass untereinander bei den beteiligten Familien durchbrochen werden? Das müssen sich die künftigen Schauspieler/innen selbst überlegen; und da können und sollen sie ihre eigenen Erfahrungen mit solchen Grenzen zwischen Kulturen einbringen.
Wie geht es weiter? In der ersten Phase 5 Tage Kennenlernen und Schauspieltraining, Informationen und Durchdenken der Hintergründe dieses Konflikts; in der zweiten Phase vier Einzeltage Arbeit an der Inszenierung, Proben; zuletzt 4 Tage lang intensives Proben am Stück, denn die Aufführung ist nach einem Tag Generalprobe für den 18 Februar 2010 geplant.
Das von der RAA Essen geförderte Projekt schließt sich an die erfolgreiche Inszenierung und Aufführung des letzten Jahres an, das Herr Abid auch damals engagiert betreute. Die Theaterarbeit ist Teil der interkulturellen Arbeit an unserer Schule, denn es ist uns wichtig, dass die Konflikte zwischen den kulturellen Gruppen an unserer Schule nicht unter den Tisch gewischt werden und dann die Atmosphäre vergiften könnten, sondern dass auf von solchen Stücken angeregt sowohl die Mitspielenden als auch die Zuschauer/innen ein besseres Verständnis für die andere Seite entwickeln können.
J.Friedrich, 3.12.2009