| „... und nachts kommen die Schatten“
- ein Interview mit dem Krimiautor und ehemaligen Schüler Daniel Raifura
Lieber Daniel, du bist ja jetzt zum Romanschriftsteller geworden. Hat sich das schon in deiner Schulzeit angedeutet?
Auf jeden Fall. Ich habe schon seit meiner Schulzeit geschrieben - meistens Kurzgeschichten. Nur leider waren meine schriftstellerischen Talente in meinen Deutschklausuren nicht so von Erfolg gekrönt. Ich erinnere mich an eine Situation, wir sollten eine zusätzliche Szene zu Fontanes „Unterm Birnbaum“ verfassen, und mein damaliger Deutschlehrer strafte mich mit einer glatten Fünf ab und bescheinigte mir völlige Talentfreiheit. In dieser Situation dachte ich mir: “Irgendwann habe ich mein eigenes Buch und dann bekommst Du ein signiertes Exemplar“. Diese Situation hat meinen Ehrgeiz angekurbelt. Dabei fällt mir ein, dass er noch ein Buch geschickt bekommen muss.
Worum geht es in deinem Krimi?
Mein Roman trägt den Titel „… und nachts kommen die Schatten“ (ISBN: 978-3939556169 und ist Anfang Mai im Oldib-Verlag erschienen).
Mitten in Essen geschehen grausame Morde. Eine ganze Familie wird hingerichtet. Tanja Engel - ihres Zeichens Sozialarbeiterin beim Essener Jugendamt - findet die tote Familie, als sie einen dienstlichen Besuch bei dieser Familie macht. Schnell wird klar, dass der Mörder aus einen ganz bestimmten Motiv mordet. Der Mörder- Simon Neumann- wurde als Kind missbraucht und nimmt nun an seinen damaligen Peinigern Rache. Und Tanja gerät ohne ihr Dazutun mitten hinein in einen Sumpf aus längst Vergessenem, Lügen, Gewalt und Mord.
Wie ist der Roman bei dir entstanden? Wie kamst du auf diesen Stoff?
Die Frage, was ist, wenn sich ein missbrauchtes Kind an seinen Peinigern rächt, hatte ich schon ewige Zeit im Kopf, ausgelöst durch meine Arbeit mit Kindern, die teils das gleiche Schicksal wie Simon Neumann in meinem Roman erleben mussten.
Eines Nachts, als ich nicht schlafen konnte, ging ich spazieren, um müde zu werden. Es war mitten im Winter und es lag viel Schnee, dabei kam mir der Gedanke, dass ich dieser Frage einen ganzen Roman widmen könnte. Gedacht- getan, ich ging heim, und anstatt zu schlafen, setze ich mich an den Computer und begann die Geschichte grob zu skizzieren.
Seit wann sitzt du an diesem Projekt?
Das Schreiben an sich hat zirka 1 Jahr gedauert, da ich zu diesem Zeitpunkt noch mitten in der Ausbildung zum Erzieher steckte. Wesentlich länger dauerte dann die Suche nach einem Verlag, - aber jetzt hat es ja geklappt.
Warum hat dich das Krimi-Genre besonders fasziniert?
Der Nervenkitzel, den ein gutes und spannendes Buch ausstrahlt, ist durch fast nichts zu ersetzen. Ich habe schon immer Krimis oder Thriller gelesen. Ich erinnere mich noch an meine Schulzeit. Die Bücher, die wir im Deutschunterricht lesen mussten, waren teils eine echte Qual für mich, speziell dann, wenn ein toller Krimi auf meinem Nachttisch lag und nur darauf wartete von mir gelesen zu werden. An ein Buch erinnere ich mich ganz gut, es hieß „Sansibar oder der letzte Grund“ von Alfred Andersch. Ich kam nie über die ersten zwei Seiten hinweg und kam dadurch in Erklärungsnöte in der Schule, weil ich dieses Buch nicht gelesen hatte. Ich weiß zwar nicht mehr, welches Buch ich damals stattdessen gelesen habe, aber es war bestimmt spannender.
Du arbeitest ja als Sozialpädagoge beim Kinderschutzbund. Wie lässt sich deine Arbeit mit dem Romanschreiben vereinigen?
Eigentlich gar nicht. Die Arbeit als Sozialpädagoge/ Sozialarbeiter spielt zwar eine Rolle im Roman, da Tanja Engel eine Sozialarbeiterin ist, aber das Schreiben an sich ist eine prima Art der Stressbewältigung für mich. Dementsprechend konnte ich mein Fachwissen hervorragend im Roman einsetzen. Es sind zwei unterschiedliche Welten, in denen ich mich gerade bewege.
Ich habe dich vor kurzer Zeit zufällig an unserer Schule getroffen, als du sie im Rahmen einer Betreuungsaufgabe aufgesucht hast. Welche Erinnerungen und Gefühle kommen in dir hoch, wenn du wieder mal die alte Bockmühle betrittst?
Ich komme immer gern zwischendurch in die Bockmühle. Es hat immer etwas vom „Nachhause-Kommen“. Ich schaue mich immer um, was sich alles verändert hat, welche Lehrer von früher mir über den Weg laufen. Natürlich wäre es gelogen, wenn ich behaupten würde, alles war immer zu 100% toll. Es gab auch Lehrer und Mitschüler, bei denen sich alleine bei dem Gedanken an sie die Nackenhaare hochstellen. Aber größtenteils sind meine Gedanken an die Schule wirklich positiv - wenn mich heute ein Kind fragt: „Bist Du gerne zur Schule gegangen?“, kann ich nur sagen: „Ja, sehr gerne sogar.“
Gibt es was, das dir die Schulzeit besonders gegeben hat? Hast du in deiner Schulzeit etwas besonders vermisst?
Die Schulzeit hat mir viel gegeben, u.a. wertvolle Freundschaften, die sich bis heute gehalten haben. Die wichtigste dauert mittlerweile schon 20 Jahre an, seit der 5. Klasse.
Ich habe viel gelernt in dieser Zeit. Und woran ich mich noch immer erinnere und mich wohl bis an mein Lebensende erinnern werde, ist die große Gerechtigkeit von Herrn Prepens. Das sage ich nicht nur so dahin, denn ganz im Ernst- einen gerechteren Menschen habe ich in meinem Leben noch nicht getroffen.
Was sind deine (vielleicht schriftstellerischen) weiteren Zukunftsträume?
Toll wäre es, wenn ich die Gelegenheit bekommen würde weitere Romane zu veröffentlichen. Zur Zeit arbeite ich an dem Nachfolge Roman zu „… und nachts kommen die Schatten“ und ein weiterer Roman ist in Planung, dafür werde ich kommenden Herbst zu Recherchearbeiten nach Ägypten fliegen. Es wird und bleibt spannend in meinem Leben. Des Weiteren beginne ich in Kürze mit einem neuen Theaterstück, welches ich mit einem guten Freund zusammen schreibe. Im vergangenen Jahr haben wir gemeinsam die Komödie „Der Millionenerbe“ geschrieben. Das Stück feierte vergangenen Februar im Theater- Extra in Essen-Borbeck Premiere und lief bis jetzt zur Sommerpause sehr erfolgreich. Und alles andere lasse ich einfach auf mich zukommen.
Lieber Daniel, ich danke dir für das Interview und entschuldige mich nachträglich als einer deiner Deutschlehrer für manch langweilige Stunde, die du in der Schule erleben musst. Und eine Fünf in Deutsch sagt sehr wenig über die kreativen Potenziale eines Schülers aus. Ich wünsche dir viel Erfolg und spannende Erfahrungen als Autor weiterer Romane.
Jürgen Friedrich, 11.5.2010 |