Die Stadt Essen im Ruhrgebiet in Europa in der Welt – ein „Fest der Kulturen“ vereint alle länderverbindenden Projekte der Gesamtschule Bockmühle.
Als um 14.00 am Montag, den 10.Mai 2010, der stellvertretende Schulleiter Herr Beyer mit seinem Blasorchester die Europahymne posaunte und damit das „Fest der Kulturen“ an der Gesamtschule Bockmühle einleitete, begann ein buntes Spektakel, das alle Klassen schon in der Woche zuvor vorbereitet und zu dem sie Stände im weiten Kreis der Flure im Erdgeschoss aufgebaut hatten.
Jede Klasse hatte sich ein Land gewählt, das sie präsentieren wollte; natürlich wurde am ehesten ein Land gewählt aus dem Schüler/innen der Klasse selbst stammen. Von den 49 Nationen, die zurzeit an der Gesamtschule Bockmühle vertreten sind, waren bei diesem Kulturfest 40 mit Ständen und Aktionen zu sehen – von Albanien über Ghana, Marokko, China bis zu den Philippinen. Viele Eltern hatten das Fest dadurch mit vorbereitet, dass sie Spezialitäten aus ihrem Kulturkreis gebacken und gebraten hatten, die jetzt die Nationenstände mit Würzigem und Süßem überquellen ließen. Einige kamen in ihren Nationalgewändern u.a. aus Albanien, Marokko und Afrika hinzu, bedienten an den Ständen und boten ein vielfältiges und farbenprächtige Bild.
Um die Neugier über das Ess- und Trinkbare der verschiedenen Kulturen hinaus zu wecken, wurden Quizfragen angeboten, die nur gelöst werden konnten, wenn die Schüler/innen sich bei den Fachleuten an den Ständen erkundigten. Wer nicht nur sich informieren und konsumieren, sondern auch helfen wollte, hatte die Möglichkeit, am Haitistand zu spenden oder die 6.Klasse finanziell zu unterstützen, die eine Partnerschaft mit einer Schule in Kamerun pflegt.
Man konnte es den Schülerinnen und Schülern hinter den Ständen ansehen, wie viel Freude es ihnen machte, interessierten Besuchern unter den herumflanierenden Eltern, Lehrern und Schülern von „ihrem“ Land zu erzählen, die Ausstellungsgegenstände zu erklären und von den Speisen und Getränken probieren zu lassen.
Die Stimmung war freundlich, manchmal sogar ausgelassen, und sie inspirierte die arabischen und türkischen Schülerinnen und Schüler, zu Trommel- und Saz-Klängen das Tanzbein zu schwingen, wobei sie auch manche Lehrerin und manchen Lehrer zum Mittanzen bewegen konnten.
Schüler/innen der Kurse „Darstellen und Gestalten“ zeigten zwischendurch Aufführungen ihrer Theaterproduktionen. Zwei sechste Klassen hatten nach dem Projekt „Weltreligionen“ einen riesigen runden, drehbaren Kalender der religiösen Feste gebaut, der an diesem Tag zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert wurde.
Eine solch großes Fest für über 1500 Schülerinnen und Schüler, 140 Lehrerinnen und Lehrer, die eingeladenen Eltern und die Öffentlichkeit braucht eine gute Organisation im Vorfeld und am Tag der Durchführung; Regina Bier und Helmut Tilke, die die europäische Begegnungsarbeit an der Gesamtschule Bockmühle koordinieren, und der Islamkundelehrer Yassine Abid sowie der Schulpfarrer Alexander Maurer hatten in den Monaten zuvor und intensiv in den letzten Tagen vor dem Fest das Kollegium und die Schülerschaft hervorragend motiviert und informiert, so dass der Festtag fröhlich und reibungslos über die Bühne ging. Viele Helferinnen und Helfer im Hintergrund trugen zum Gelingen bei: Der Schülerbetrieb „Garten und Floristik“ von Chris Wortmann, der die Cafés in den Freizeithäusern mit frischem Grün dekorierte, der 11. Jahrgang, der an diesem Tag für Kaffee und Kuchen, Verkauf und Bedienung sorgte, der „Europakurs“ des 9. Jahrgangs, der das Quiz vorbereitet hatte, die Klasse 7 c, die für die kleinen Gäste Spielaktionen anbot, damit sie auch auf ihre Kosten kommen konnten.
Der 12. Jahrgang hatte an diesem Tag vormittags zwei Aufgaben übernommen: Einige Schülerinnen und Schüler gingen in Klassen, ob dort die Lehrkräfte bei der Vorbereitungsarbeit zu unterstützen. Andere bereiteten die Flur für eine 200 Meter lange Fahnengirlande vor, und zwar aus Gedichten!
„Viele Leute sind versessen auf die Kulturhauptstadt namens Essen“ – das längste Gedicht an einer Schule
Hier wurde die Kulturhauptstadtaktionen dieses Tags verwirklicht: Die Schülerinnen und Schüler aller Klassen schrieben am Vormittag vor Beginn des Festes eigene Vierzeilen-Gedichte auf farbige DiNA-4-Blätter, die dann von den Klassenlehrern auf einer Schnur zu einer Gedichtfahnen-Kette zusammengetackert wurden. Als das Fest um 14.00 begann, glichen die Flure ein wenig eine tibetischen Tempel mit seinen bunten Gebetswimpeln: In über 1000 Gedichten hatten die Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen ihren persönlichen Bezug zur Stadt Essen bzw. zu ihrer Lebensregion, dem Ruhrgebiet, in lustigen bis nachdenklichen Verszeilen zusammengefasst. Hier war wohl das längste Gedicht geschrieben worden, das je an einer Schule entstanden ist!
Manche Zeilen, vor allem der Kleinen waren etwas schlicht, z.B.:“Ich komme aus Essen – und habe viele Interessen – Essen hat ´ne schöne Natur – und liegt an der Ruhr“. Angela, Julia und Steffens einer 6. Klasse dichteten schon lyrischer:“Jedes Kind singt ein Lied – nur vom schönen Ruhrgebiet – viele Leute sind versessen – auf die Kulturhauptstadt namens Essen“. Mandy Möller aus der 6 c reimte:“Lass den Wind wehn – wir müssen gehen – die Kulturhauptstadt wartet – 2010 ist schon gestartet“. Auch kritische Töne waren zu lesen:“Bei uns ist immer etwas los – in Altendorf sind viele arbeitslos – in Bredeney sind viele Plätze frei – drum red nicht um den heißen Brei!“ Auch Metaphorisches fand sich unter den Gedichten, z.B.:“In die roten, gefleckten Wolkenmassen – sinken die Häuser abends wie zerlassen – voller Details, Straßen und Lampenflut – Stadt Essen, du bist einfach supergut!“
Um 18.00 wurde dieses bis zum Schluss gut besuchte Fest mit Hilfe aller Beteiligter im Nu abgebaut und die Putzkolonne konnte die Flure wieder zu sauberen Aufenthaltsorten für den nächsten normalen Schultag machen. An den folgenden Tagen konnte man viele Schülerinnen und Schüler beobachten, wie sie ihre eigenen aushängenden Gedichte stolz anderen zeigten oder die Verse anderer neugierig lasen. In einem Wettbewerb sollen die besten Texte noch prämiert werden. Mit dieser Gedichtaktion war an diesem Tag ein intensives Nachdenken über die individuellen Bezüge zum eigenen Lebensraum organisiert worden.
Wenn die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Bockmühle zu ihren Partnern nach Finnland, Polen, Irland oder in die Türkei fahren, nehmen sie nicht nur die gemeinsame deutsche Kultur, sondern auch die kulturellen Wurzeln und Erfahrungen ihrer Herkunftsländer mit. So war dieses Fest auch ein für diese Schule typisches Europafest. Und in einer Plakataktion hatte die 6f zum Auftakt des Kulturhauptstadtjahrs Plakate entworfen, auf denen steht: „Kultur ist, wenn wir gemeinsam Feste feiern“ – „Kultur ist, wenn wir friedlich zusammen leben“. Dass man sich an den unterschiedlichen Kulturen freuen und gemeinsam feiern kann, diese wichtige Erfahrung konnten alle Teilnehmer und Besucher des Kulturfestes mitnehmen.
13.5.2010 Jürgen Friedrich |