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Klima Werk Stadt Essen und Endkampf um die „Innovation City“ in der Gesamtschule Bockmühle

Essen wurde (leider) nicht Wettbewerbssieger bei der Bewerbung um die besondere Stadtentwicklungsförderung als „Innovation City“; Bottrop lief Essen den Rang ab.
Dass Essen nicht den ersten Platz belegte, kann sicherlich nicht an der beeindruckenden Abschlusskundgebung  liegen, die die Stadt Essen mit Unterstützung  durch Essener Institutionen und Wirtschaftsbetriebe in der Gesamtschule Bockmühle ausgerichtet hatte.


Hier zwei Berichte der NRZ bzw. der WAZ:

Umwelt
Klimaschutz treibt sogar Schüler um
Essen, 03.11.2010, Peter Szymaniak

Essen. Am Donnerstag entscheidet die elfköpfige Jury des Initiativkreises Ruhr darüber, wer beim Wettbewerb „Innovation City“ als Sieger hervorgeht. Oberbürgermeister Reinhard Paß gibt sich siegesgewiss.
Noch können sie nicht mitbestimmen, wie viel Geld und Arbeitseinsatz dieser Gesellschaft der Schutz vor einer massiven Erderwärmung durch Kohlendioxid Wert ist, doch die Problematik des Treibhauseffektes durch die Verbrennung von Kohle und Gas ist Essener Schülern bekannt.
„Was man so im Fernsehen an Wetterkatastrophen und schmelzende Gletschern sieht, das macht einen schon besorgt, wie es mit dieser Erde weiter geht“, sagt der Neuntklässler Philipp Holland von der Altendorfer Gesamtschule Bockmühle. Mit seinem gleichaltrigen Kollegen Justin Kirsch hat er im Technik-Unterricht kleine Solarautos gebaut. „Die sind sogar gefahren. Mich hat besonders fasziniert, wie Solarzellen das Licht aufnehmen und Strom produzieren“, sagt Kirsch.

Abschlusskundgebung für den Wettbewerb „Innovation City“

Die Schüler sind Teilnehmer der großen Essener Abschlusskundgebung für den Wettbewerb „Innovation City“, die am Dienstag Nachmittag in der Aula ihrer Gesamtschule stattfand. Altendorf gehört mit Frohnhausen, Nord- und Westviertel zum Essener Pilotgebiet, das in zehn Jahren zum weltweiten Vorzeigegebiet für Klimaschutz umgebaut werden soll - und 2020 rund 50 Prozent weniger CO2 erzeugen soll.
Am Donnerstag entscheidet die elfköpfige Jury des Initiativkreises Ruhr darüber, wer von den fünf Finalisten, Bochum, Mülheim, Gelsenkirchen/Herten, Bottrop oder Essen, den Zuschlag für die Konzentration von 2,5 Milliarden Euro Eigenmittel und Steuerförderung erhält.
Oberbürgermeister Reinhard Paß gibt sich siegesgewiss. „Ich bin sehr optimistisch. Wir wollen den Titel holen, wir haben eine langjährige Klimaschutz-Tradition in dieser Stadt, wir setzen stark darauf, dass wir die Bürger aktivieren und beteiligen.“
Am heutigen Mittwoch verzichtet Paß sogar auf den Flug zum Integrationsgipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel, um selbst mit Stadtdirektor Hans-Jürgen Best die Jury vom Essener Konzept zu überzeugen. Wie auf eine Abitur-Prüfung hat das städtische Innovation-City-Team für die auf 25 Minuten beschränkte Präsentation am heutigen Mittag im Essener Gebäude des Initiativkreises an der Brunnenstraße geübt. Bis zum späten Abend will die Jury dann diskutieren, wer den Zuschlag für den Titel erhält.
Schon jetzt sieht Innovation-City-Geschäftsführer Markus Palm das Ruhrgebiet als Gewinner des Wettbewerbs „Alle Finalisten sind unglaublich engagiert, in den Städten ist viel passiert. Es ist gelungen, die Bürger mitzunehmen“, sagte Palm in der Gesamtschule Bockmühle.



Klimaschutz
Der Umwelt zuliebe
Essen, 02.11.2010, Pascal Hesse

Essen. Das Klimaschutz-Großprojekt „Klima Werk Stadt Essen“ feierte am 2. November in der Gesamtschule Bockmühle Premiere.
Ein umweltfreundliches Vorbild ist das Schulhaus der Ge­samtschule Bockmühle schon lange nicht mehr, gibt es doch mehr als nur ein undichtes Fenster. Doch vielleicht war es am 2. November ge­nau deshalb ideal für den Auftakt von „Klima Werk Stadt Es­sen“, ein Projekt, das die Klimaproblematik stärker in die Köpfe von Bürgern und Unternehmern in der Stadt bringen will. „Unsere Um­welt muss für nachfolgende Generationen auch noch reichen, da­rum müssen wir et­was fürs Klima tun“, sagt Oberbürgermeister Reinhard Paß. Er ist optimistisch, am 4. November den Zu­schlag im Milliarden Euro schweren Wettbewerb „Innovation-City“ zu ho­len. Falls wi­der Er­warten nichts daraus wird, durch Fördergelder aus Nord- und Westviertel, Al­tendorf und Frohnhausen Niedrigenergiestadtteile zu entwickeln, bleibt im­merhin die „Klima Werk Stadt Es­sen“.

Doppelt sparen
Bürger, Unternehmer, Schüler, Lehrer, Verbandsvertreter und Politiker machen sich in der Gesamtschule Bockmühle ihr eigenes Bild vom großen Vorhaben: „Energie zu sparen hört sich ziemlich aufwändig an, ist es aber nicht und spart so­gar richtig Geld“, nimmt Helga Be­cker als Er­kenntnis mit nach Hause. Sie wohnt un­weit der Schule und hat sich fest vorgenommen: „Ich wechsele demnächst meine Glühbirnen ge­gen Energiesparlampen aus.“ Das sei ihr Beitrag für die innovative Stadt. Zum Elektrofahrrad oder dem Verzicht aufs Auto kann sich die 43-Jährige nicht überwinden.
Dennoch: Die gute Mi­schung macht’s, nicht nur, wenn es um das Klima geht, sondern ebenfalls beim energetischen Startschuss auf der Bühne. Dort mischt die Band „Reefer Madness“ mit jamaikanischen Beats den Saal auf, in dem sich eher älte­re Semester in die Stuhlreihen vor der Bühne drängeln. In einer Talkrunde mit OB Paß, Innovation-City Ruhr-Chef Markus Palm und weiteren Gästen werden sie dafür munter.
Wie es mit dem innovativen Energiesparen klappt, mit Re­cycling und allem, was sonst noch dazu gehört, erfahren die rund 250 Gäste an mehreren Ständen in der Aula. Die Schüler von Bockmühlen-Schulleiter Klaus Prepens gehen da mit gutem Beispiel voran: Zukunft ist, einen Baum zu pflanzen – das steht in fetten Lettern über dem Stand ihrer Schülerfirma, die sich mit Gartenbau und Floristik beschäftigt: „Wir re­cyceln fast alles, was im Unterricht übrig bleibt“, sagt Lehrerin Chris Wortmann.
Bernhard Lüders, Chef des Sutter Telefonbuchverlags, hat sich mit dem Energiesparen angefreundet und selbst Hand angelegt: „Die Hälfte der Ne­onröhren im La­ger haben wir rausgedreht und es ist noch hell. So sparen wir jährlich 3000 Euro.“ Er sieht viele weitere Einsparpotenziale: „Energiespartipps hole ich mir hier.“