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Bockmühle-Schüler als Nachwuchspolitiker in Berlin
Beim European Youth Parliament (EYP) zeigten wir, was wir können
Von Martina Böttcher (begleitende Lehrkraft)
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Als sich einige Schülerinnen und Schüler der elften Klasse im November mit einer zweiseitigen Resolution auf Englisch zum Thema Migration zur Teilnahme am European Youth Parliament (Europäisches Jugendparlament) bewarb, wussten sie noch nicht so genau, worauf man sich einließ. Und als im Februar die Nachricht kam, dass sie sich qualifiziert hatten, war die Freude zwar gigantisch, aber die Unsicherheit blieb: Wie soll man denn glauben, dass es Spaß macht, wenn 100 junge Leute fünf Tage lang in mecklenburgischer Wildnis über Politik diskutieren, sich dabei noch so richtig in Schale werfen und die ganze Veranstaltung auch noch auf Englisch in den Ferien stattfindet?! Nun, meine Delegation ließ sich trotzdem darauf ein und wurde von mir in den acht folgenden Wochen ziemlich mit Beschlag belegt.
Schließlich mussten sie sich selbst um Unterstützer kümmern, die ihnen die kostspielige Teilnahme an dem Event ermöglichten. Yvonne erstellte eine lange Liste potentieller Förderer, Varinia verfasste ein erklärendes Schreiben und nach einer Trockenübung ging’s an die Telefone oder auf die Altendorfer Straße. Es war für uns alle ein tolles Gefühl zu sehen, wie Essener Unternehmer und Politiker sich für unser Projekt interessierten und uns auf ganz unterschiedliche Weise Hilfe leisteten. Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle an die NOWEDA-Stiftung, die mit ihrer Zusage als Hauptsponsor uns auf einen Schlag von unseren finanziellen Sorgen befreite.
Nun konnten sich die Teilnehmer/innen in die unterschiedlichsten politischen Themen einarbeiten und sind dabei über so manche verwirrende gesetzliche Regelung gestolpert: „Why can’t we find a common procedure when dealing with refugees?“ Tja, warum nur? Mit viel Recherche wurden solche Probleme gelöst, Hilfestellung bot auch Jens Geier bei seinem Besuch der Delegation an. Das Mitglied des europäischen Parlamentes besuchte unsere Nachwuchspolitiker und gab jedem noch ein paar wertvolle Hinweise. Und so wurden innerhalb von drei Wochen kleine Strategiepapiere erarbeitet. Denn wenn man Politik machen will, muss man gut vorbereitet in seinen Fachausschuss gehen. Im Fachausschuss selbst sollte dann eine Gesetzesvorlage erarbeitet werden, über die dann auf der Vollversammlung abgestimmt werden würde. Huh, das heißt, man musste schon in Essen ziemlich weit denken.
Denken ist die eine Sache, aber in der Politik geht’s auch darum, seine Sichtweisen überzeugend zu präsentieren. Dazu gehört natürlich ein richtiges Outfit – formelle Kleidung war schließlich vorgeschrieben. Die wurde auch auf einem langen gemeinsamen Stadtbummel gekauft und wir mussten feststellen: sich politisch korrekt zu kleiden geht ganz schön ins Geld. Zur einer erfolgreichen Präsentation gehört natürlich auch ein flüssig vorgetragener Text – und mit wem übt man freies Sprechen vor vielen Menschen am besten? Richtig: mit Frank Röpke, dem Theaterpädagogen vom Grillo Theater, der unsere Delegation in zwei Stunden mit kleinen Tipps, Tricks und Lockerungsübungen zeigte, wie man das Lampenfieber besiegen kann.
Wenn man sich vor Augen hält, dass all dies mitten in der wichtigen Klausurphase geschah, kann man verstehen, dass die Zeit sehr oft knapp und – schwupps – auf einmal sehr schnell um war. Ehe wir uns versahen, waren wir plötzlich auf Schloss Dreilützow, mitten im englischsprachigen Gewusel, und präsentierten unsere Schule und das Ruhrgebiet auf dem Regio Village. Dabei konnte man schon mal ein bisschen die anderen kennenlernen, die – leider müssen wir‘s zugeben – viel besser Englisch sprachen. Doch beim Teambuilding und auf der fetten Willkommensparty fielen ganz schnell die Hemmungen, sie doch mal genauer kennenzulernen. Da waren Schulen aus ganz Deutschland vertreten – von Bayern bis Hamburg. Sogar ein Internat hatte eine Delegation geschickt. Da gab’s Gesprächsstoff bis tief in die Nacht.
Nun, am nächsten Morgen ging’s trotzdem früh raus, denn es war endlich Ausschusszeit. Nun ging’s an die Arbeit, dass den Bockmühlern schon nach dem ersten Vormittag ordentlich der Kopf brummte. Doch was ganz anderes als so’ne Diskussion im Englischunterricht. Oha. Trotzdem wurde nicht lang gefackelt und – wenn auch schüchtern – am Entstehen der Gesetzesvorlage mitgearbeitet. Das dauerte immerhin eineinhalb Tage.
Zum Glück gab’s am Abend eines so anstrengenden Arbeitstages was für die Lachmuskeln: Improvisationstheater auf einer zauberhaften Waldbühne. Wow, wer hätte gedacht, dass eine Schülerin von uns mal als Geist „Dieter“ die ganze Vollversammlung das Fürchten lehrt? Nun ja, wer diesen kleinen Insider nicht versteht, dem sei verziehen. Auf Dreilützow wurde jedenfalls ordentlich gelacht. Sehr spannend war auch die Stadtbesichtigung der alten und wunderschönen Stadt Schwerin am Freitagnachmittag nach getaner Arbeit. Voller alter Gebäude ist dieser Ort ein krasser Gegensatz zu Essen. Nun, es ist wohl allen klar, dass wir die Zeit genossen, aber Essen trotzdem viel toller finden, oder? J Doch trotz der tollsten Bauwerke und Eisläden wuchs unter den Delegierten immer mehr die Anspannung: am Abend sollte es zur Vorbereitung auf die Vollversammlung eine Veranstaltung zum Aufbau guter Reden geben – sowas kann man nämlich trainieren. Rednerin war übrigens eine Juristin und Europaexpertin aus dem thüringischen Justizministerium.
Und am nächsten Morgen ging’s dann los: Hektisch wurden Krawatten gerade gerückt, Absatzschuhe vorsorglich mit Blasenpflaster präpariert, denn nun ging’s darum, in einem richtigen Plenarsaal mit Rednerpulten, Mikrofonen und Fotografen die eigene Arbeit zu verteidigen und auch mal eine Rede vor allen Menschen zu halten. Die feierliche Atmosphäre wurde durch die Europahymne „Freude schöner Götterfunken“ noch verstärkt. Und so kann man’s schon verstehen, dass wir Essener ganz schön eingeschüchtert waren und erst mal die anderen an die Arbeit ließen. Nur unsere Gina traute sich, mal die Entwürfe der anderen mit kritischen Fragen ordentlich unter die Lupe zu nehmen und erntete dafür einige Schulterklopfer. Alle anderen nahmen im Laufe der Veranstaltung trotzdem auf ganz unterschiedliche Art und Weise auf den Ausgang der Abstimmungen Einfluss. Da gab’s Jubel, aber auch Enttäuschung und ganz oft den Ehrgeiz, ein nächstes Mal doch erfolgreicher zu sein. Denn am Ende waren leider andere Delegationen besser als wir und wurden von der Jury auf internationale Wettbewerbe in Zagreb und Istanbul geschickt. Alle Delegierten wurden nach der Verkündung der Ergebnisse aber nochmal dran erinnert: Hier dabei gewesen zu sein, war schon eine enorme Auszeichnung. Jeder Einzelne kann stolz auf sich sein, denn er oder sie haben hier eine unvergessliche Erfahrung gesammelt. Nach einer bewegenden Abschiedsrede ertönte „Imagine“ von den Beatles und jeder hörte tief in sich hinein, welchen tollen Menschen er in den letzten Tagen begegnet war und was er vom EYP mitnimmt. Dann – wie konnte es anders sein, siegte auf einmal die Wehmut über den bevorstehenden Abschied und alle lagen sich auf einmal in den Armen. Zum Glück gibt’s Facebook – denn wir bleiben auf jeden Fall in Kontakt, sagten sich wohl sehr viele. Die Erschöpfung der letzten Tage war erst spürbar, als wir mit unseren schweren Koffern zum Bahnhof trotteten. Im Zug verriet mir dann meine Delegation, was sie vom EYP mitnimmt:


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Gina: „EYP war anstrengend – aber toll. Eigentlich denkt man vorher, dass Politik ganz trocken ist, aber die machen das alles auf eine witzige Art und Weise. Als ich meinen ersten Beitrag auf Englisch vor 120 Leuten in der General Assembly vorgetragen hatte und mich mein ganzes Committee lobte, fühlte ich mich einfach nur noch stark. Während der ganzen Zeit waren gleichgestellt – keiner hat raushängen lassen, ob er oder sie Vorsitzender oder Präsident oder Organisator ist. Die beste Freizeitaktivität war das Improvisationstheater der Delegierten. Und abends haben die sogar ein EYP-TV gemacht – da hat man erst mal mitbekommen, was so alles passiert.“


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Varinia: „EYP war so intensiv, dass man in den fünf Tagen an nichts anderes denken konnte. Ich habe meine Familie nicht einmal vermisst. Alle Leute haben sich bei den Diskussionen total viel Mühe gegeben.“


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Yvonne: „EYP war anstrengend, aber es war total interessant zu sehen, wie Debatten abgehalten werden. In der Ausschussgruppe ist man super schnell zusammengewachsen, sodass man sofort das Gefühl hatte, sich schon so lange zu kennen. Vor allem das Lagerfeuer, bei dem alle gesungen haben, war toll. Es war schade, kaum Zeit für sich zu haben, um die schöne Umgebung zu erkunden.“


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Oktay: „Es war eine sehr interessante Lebenserfahrung, mit anzusehen, wie Politiker debattieren. Durch diese Erfahrung habe ich Europas Welt neu und besser kennengelernt. Die Probleme, die wir besprochen haben, begegnen uns im Alltag leider sehr oft. Das Englisch fiel mir etwas schwer, aber durch den freundlichen Zusammenhalt in unserem Ausschuss fiel es mir leichter mitzuarbeiten. Die Ausschussvorsitzenden waren vorbildlich und super nett. Auf jeden Fall hat es `ne Menge Spaß gemacht! Die verschiedenen Aktivitäten, die gemeinsame Arbeit und das gemeinsame Lachen waren das Highlight. Fazit: Es war eine spannende und tolle Zeit, die ich jetzt (auf der Rückfahrt im Zug) schon vermisse und die mir Hoffnung auf ein Wiedersehen gibt.
Remember INTA: I-N-T-A we will go another way!“


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Sebastian: „Die Anreise verlief ohne Komplikationen. Vor Ort war alles organisiert. Wir wurden mit dem Wichtigsten versorgt und es lief immer nach dem Tagesplan ab. Die Erfahrung mit Personen ordentlich zu sprechen, die kein Deutsch verstehen, war neu und schön. Schön waren auch die Vertreter des anderen Geschlechts, worauf ich allerdings nicht weiter eingehen werde. J Die Stimmung,  über die Tage verteilt,  war super. Auch wenn manche Arbeitsphase langweilig erschien, so war sie doch von größter Wichtigkeit und notwendig für das Vorgehen der kommenden Tage. Wo man auch war, hatte man nette gut gelaunte Personen um sich, ob es nun Delegates, Organizers, Chairs oder Journalists waren. Die Spiele beim Team Building, die Welcome Party am Abend, auf der ich mich bis 02:00 Uhr morgens aufgehalten habe, die Committee Work und vieles mehr waren interessant, lustig und kreativ gestaltet! Diesen Text zu verfassen fiel mir schwer, weil die 5 Tage einfach unbeschreiblich waren. Ich mochte mein Team, meine Gruppe, und einfach jeden, der mir diese tolle Erlebnis ermöglichte. Es waren, so betrachtet, die schönsten fünf Tage meines Lebens, weil einfach alles gestimmt hat. Diesen Ausflug werde ich nie vergessen und ich hoffe, dass es nicht der letzte ist. Der Abschied war mit einer leichten Trauer verbunden. Es hätten ruhig ein paar Tage mehr sein können. Ich hätte damit keine Probleme gehabt! Zu guter Letzt bleibt mir nur zu sagen: I.M.C.O –Do you feel the flow?!


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Mizgin: “Das Beste am EYP waren  das Teambuilding und die ganzen Spiele. Das hat dazu geführt, dass alle so freundlich zueinander waren. Durch EYP haben wir auch mal ein Feedback zu unserem Englisch- und Französischstand bekommen – wir wollen unbedingt besser werden, um mit den anderen Leuten dort mithalten zu können.“


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Ayse: „Die Organisatoren waren einfach total kreativ. Ich habe noch nie Improvisationstheater gemacht. Schon die Begrüßung war sehr herzlich. Die ganzen Organisatoren dort hatten permanent ein Lächeln im Gesicht und zwar ein nicht aufgesetztes, sondern ein echtes. Die haben sich so gefreut, dass wir da waren.“