Unbenanntes Dokument
WAZ vom 29.3.2011
Fegen bringt Segen
Die Schülerfirma „Gaflo“ der GE Bockmühle pflegt ab sofort das Volleyball-Feld im Krupp-Park

Altendorf. Erfolgreich gearbeitet wird in der „Gaflo" schonseit mehr als zehn Jahren. Doch nun ist die Schulfirma für Gartenbau und Floristik an der Gesamtschule Bockmühle um eine weitere Aufgabe reicher. Ab sofort kümmern sich die findigen Schüler um die Pflege der neuen Volleyball-Anlage im Krupp-Park. Donnerstag, früher Nachmittag. Die Sonne steht noch hoch am Himmel, es ist warm und Jan Pfeifer gerät gerade mächtig ins Schwitzen. Der 16-Jährige ist einer von vier Schülern, die heute ihre erste Schicht im Krupp-Park antreten. Sein Arbeitsplatz gleicht einem riesigen Sandkasten. Nun zieht Jan ein eigentümliches Werkzeug hinter sich her, um den Quarzsand zu glätten: Ein Besenstiel, daran ein schweres Vierkantholz, das mit einem Lichtschachtgitter verbunden wurde. „Diese Technik haben wir uns aus dem Sport vom Weitsprung  abgeschaut", erklärt er.
Während Jan seine Bahnen zieht, schwingen Pascal König und seine Klassenkameradin Johanna Lohkämper den Besen auf dem benachbarten Basketballfeld. Timo Neu­mann indes sammelt Unrat und Zigarettenkippen auf, die ermüdete Sportler in der Spiel­pause hinterlassen haben.
An Pause ist für das fleißige Quartett jedoch momentan nicht zu denken. „Wenn ihr jetzt richtig Gas gebt, dann machen wir früher Feier­abend", verspricht Axel Wort­mann. Früher war er Land­schaftsgärtner, nun betreut er die Schüler der Gaflo im Auf­trag der Schule, an der seine Frau Christel bereits seit 1974 die Fächer Biologie, Sport und Kunst unterrichtet. „Doch die hat heute in unserem Betriebs­haus an der Bockmühle zu tun", sagt Wortmann, ohne sei­ne Schützlinge aus den Augen zu lassen. Was Sinn macht, denn die Schüler hantieren mitunter auch mit dem Motor­rasenmäher. „Die Pflege des Rasenstücks gehört auch zu unserem Job", sagt Wortmann, jedoch im Moment ist das Grün noch so kurz, da brauchen wir  noch nicht zu mähen."
Die beiden Rasenmäher bezahlte ein Sponsor, den Rest der Geräte haben sich die Schüler selbst erarbeitet - bei­spielsweise durch den Verkauf eigener Produkte wie Windlichter und recycelbare Weihnachtskränze. Dafür bekam die Gaflo sogar schon den Umweltpreis der Stadt Essen. Das Preisgeld floss ins Projekt. Das Engagement im Schat­ten der Thyssen-Krupp-Verwaltung kommt nicht von ungefähr. „Grün und Gruga hat uns kontaktiert", freut sich Wortmann. „Offenbar hat sich unsere gute Arbeit herumge­sprochen." Die Hälfte der vier­stündigen „Dienstzeit" ist übri­gens in den Unterricht einge­bettet, für die zwei „Überstun­den" zweimal pro Woche erhalten die Schüler obligato­risch jeweils einen Euro - wie bei einer richtigen Firma. „Ausgezahlt wird das Geld jedoch nicht an die Jugendlichen, sondern für gemeinsame Aktivitäten genutzt; zuletzt für ein Zeltlager im Mari.
Zweck der Gaflo ist es aber, den Schülern Grundkenntnis­se der Landschaftsgärtnerei zu vermitteln. Mit dem Ziel, even­tuell in diesen Beruf zu wech­seln. „Vergangenes Jahr haben das vier Leute geschafft", bilanziert Wortmann. Auch Johanna träumt von einer Stel­le als Floristin; Jan hat seinen Lehrvertrag als Forstarbeiter bereits in der Tasche. Nur Pascal will Bankkaufmann wer­den." Auch Timo hat seine Pas­sion bereits gefunden: „Erst mache ich das Abi, danach übernehme ich die Gaflo - als Lehrer an der Bockmühle."

HINTERGRUND
Vier Alternativen
Derzeit sind zehn Schüler der Jahrgangsstufe 10 und 16 der Jahrgangsstufe 9 in der „Gaflo" tätig. In der achten Klasse wählen die Jugendli­chen ihren Schwerpunkt. So auch die „Aktiengesellschaft Bockstift", die „AG Betrieb" oder die „AG Lokal", wo sie Kochen und Servieren lernen.


Foto: K. Kokoska (WAZ)