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Nach 34 Jahren Abschied von der Bockmühle – Willi Bornhorst geht in Rente

Dass Willi bis zur allerletzten Stunde seine Arbeit an dieser Schule mehr als hundertprozentig ernst genommen hat, zeigt sich schon daran, dass er am letzten Schultag noch in der Mittagszeit, als alle Schüler/innen und die meisten Kollegen/innen schon die ersten Ferienstunden genießen, in einer mündlichen Prüfung für einen Schüler den Vorsitz hat, der nach den missglückten Mathematikaufgaben im NRW-Zentralabitur seine letzte Chance (erfolgreich) nutzt.
Am strahlend schönen Sommerabend des letzten Schuldienstags war er von der Schulleitung und dem Lehrerrat im Namen des Kollegiums herzlich und mit einigem Abschiedsschmerz verabschiedet worden. In einer Rede hatte Willi Bornhorst erzählt, was er an dem Kollegium, der Schulleitung, den Eltern und Schülern/innen und den Verwaltungsmitarbeitern/innen so schätzt, dass er so lange Jahre der Gesamtschule Bockmühle treu geblieben ist.
Nicht nur wir als Kollegium, sondern auch viele heutige und ehemalige Schüler/innen  werden sich gerne an ihn erinnern. Deshalb wollen wir hier noch einmal mit einem Interview die Gelegenheit geben, einen Abschiedsblick auf Willi Bornhorst zu werfen...


Interview mit Willi Bornhorst
Lieber Willi, du hast uns gestern erzählt, was dich 34 Jahre an der GEB gehalten hat; kannst du es unsern Lesern/innen noch einmal kurz zusammenfassen?

Ich will es versuchen. Die vielen Veränderungen in der Entwicklung der Gesamtschule wurden uns ja durch die Politik aufgezwungen. Die heutige Schule ist nicht das, was wir damals vor über dreißig Jahren gewollt haben. Wir haben aber trotzdem weitergearbeitet und versucht, den Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden, sie zu fördern und menschlich mit ihnen umzugehen. Das heißt für mich, sie zu unterstützen, ihnen Mut zu machen, ihnen in schwierigen häuslichen und persönlichen Verhältnissen zur Seite zu stehen, also das zu tun, was weniger Wissensvermittlung bedeutet als vielmehr Pädagogik im eigentlichen Sinne. Das Zweite ist die Zusammenarbeit mit dem Kollegium. Mir haben die Diskussionen, die Anregungen, Hilfen und Unterstützungen sehr viel gebracht. Und ich hatte immer den Eindruck, dass wir uns weiterentwickelt haben. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Du gehörst ja auch zur 68er-Generation, die jetzt in die Pension abwandert; welche Schulträume oder gesellschaftlichen Utopien musstest du aufgeben, was ist dir von dem, wofür du vor 34 Jahren angetreten bist, erhalten geblieben?

Erhalten geblieben ist bei mir und beim größten Teil der Kolleginnen und Kollegen  die Bereitschaft, die pädagogische Arbeit zu verändern, wenn die Bedingungen es erfordern. Das ist sozusagen die innere Einstellung zur Arbeit in der Schule. Das ist ja gerade jetzt der Fall, wenn wir unserer veränderten Schülerschaft gerecht werden wollen. Das Teammodell soll die individuelle Betreuung verbessern: wenige Lehrer betreuen eine Klasse, zum Teil  sind zwei Kolleginnen und Kollegen in einer Gruppe. Neue Methoden (z.B. kooperative Lernmethoden etc.) sollen das individuelle Lernen fördern.
Ich vermisse – und ich beschränke mich jetzt auf einen Aspekt – die stärkere Ausrichtung auf das demokratische Lernen, die Erziehung zum mündigen Bürger, was in der Anfangsphase der Gesamtschulentwicklung ja ganz groß geschrieben und bereits in den Strukturen deutlich wurde: Wahl der Mitglieder der Schulleitung, paritätische Besetzung der Schulkonferenz usw.. Pädagogisch wichtig in diesem Zusammenhang war das Prinzip, den Schülerinnen und Schülern Strukturen durchschaubar, Zusammenhänge transparent zu machen.

Du hast dich in den letzten drei Jahren noch am Ende deiner Schullaufbahn sehr aktiv für die Weiterentwicklung unserer Schule eingesetzt; in welche Richtung müsste sich unsere Schule nach deiner Meinung erneuern?

Ich bin davon überzeugt, dass der eingeschlagene Weg richtig ist. Die Situation vieler Schülerinnen und Schüler fordert eine größere soziale Betreuung (Geborgenheit, Wärme), fordert mehr Hilfen zur Orientierung (Stichwort: Werteerziehung), weil viele das in den Familien nicht bekommen. Ein kleines Klassenteam kann das eher leisten. Der zweite wichtige Aspekt ist: das Lernen des Lernens! Und genau dem dienen die neuen Lernmethoden, die wir eingeführt haben.

Wenn du unserer Schule für die Zukunft was wünschen solltest – was wäre es?

Mein größter Wunsch wäre, dass ihr im Kollegium den Mut und die Kraft habt, das Begonnene weiterzuführen. Ich kann sehr gut verstehen, dass die Gefahr zu resignieren groß ist, weil uns in den vergangenen Jahren sehr, sehr viel aufgebürdet wurde (ständige zum Teil widersprüchliche Veränderungen, ständige Mehrarbeit und wenig Anerkennung), weil wir das auszugleichen gezwungen sind, was die Familien und die Gesellschaft nicht mehr leisten, wofür wir aber nicht ausgebildet wurden. Ich hoffe aber, dass Ihr trotz dieser erschwerten Bedingungen weitermacht, und wünsche euch, dass Ihr daran Spaß habt.

Eine deiner Aufgaben waren die internationalen Begegnungen. Kannst du von Eindrücken berichten, die dir daraus geblieben sind?

Das muss ich etwas ausführlicher erklären. Als ich gefragt wurde, ob ich die Aufgabe in der Schule übernehmen wollte, habe ich sehr gezögert, weil ich mich wegen der fehlenden Sprachkenntnisse nicht für geeignet hielt. Überhaupt machte ich gar nicht so gerne Reisen ins Ausland, ich gebe ganz offen zu, dass ich auch eine gewisse Angst vor dem Fremden hatte. Und bei den ersten Besuchen in den Partnerschulen ging es mir wie unseren Schülerinnen und Schülern, wenn sie in einer Gastfamilie untergebracht werden sollten. Als ich dann auf der ersten Reise nach Tampere Eija, ihre Familie und die Kolleginnen und Kollegen in Sammon Lukio kennen lernte, war ich – wie unsere Schülerinnen und Schüler - überwältigt von der Gastfreundschaft, die wir erfuhren. Und so ging es mir auch in Tuchomie, in Yalova und in Amsterdam. Mir ist klar, dass eine wirkliche Verständigung zwischen den Völkern nur durch die persönliche Begegnung begonnen und vertieft werden kann. Ich habe also in dieser Zeit sehr viel gelernt und bin wunderbaren Menschen in verschiedenen Ländern begegnet.

Möchtest du vielleicht jemand draußen in der Welt grüßen, den du im Rahmen des internationalen Austauschs oder als Schüler/in schätzen gelernt hast?

Natürlich alle Kolleginnen und Kollegen in den Partnerschulen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, namentlich nenne ich nur unter vielen: Eija in Tampere, Lucyna in Tuchomie, Margit in Amsterdam, Ümit in Yalova. Ich möchte mich bei allen sehr herzlich bedanken und alles Gute persönlich und für die weitere Zusammenarbeit wünschen.

Was wirst du denn jetzt mit der vielen freien Zeit anfangen? Welche Pläne hast du?

Erst muss ich einmal in der freien Zeit ankommen, ich werde mich daran gewöhnen müssen. Dann habe ich einige Ideen: Ich werde viel in der Natur sein (Gartenarbeit, Wandern), ich möchte viel lesen und vor allem wieder mit dem Klavierspielen beginnen, was ich leider lange Zeit vernachlässigt habe.

Lieber Willi, auch wir von der Redaktion der Homepage wünschen dir viele frohe, gesunde und spannende weitere Lebensjahre!
Vielen Dank für das Interview!
J.Friedrich


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