Benimm-Seminar Gutes Benehmen erwünscht - Der moderne Knigge WAZ Essen West, 03.03.2008, Von Sonja Pizonka Schüler der Gesamtschule Bockmühle lernen Tischregeln und Etikette in eintägigem Seminar. Experte gibt Tipps für ein positives Erscheinungsbild. Für Neuntklässer passende Vorbereitung aufs Praktikum Altendorf. Gutes Benehmen des Berufssuchenden wissen Personalbetreuer beim Vorstellungsgespräch zu schätzen. Doch nicht jeder kann problemlos auf die nützlichen Verhaltensregeln zurückgreifen und muss trotz guter Zeugnisse den Platz der Konkurrenz überlassen. Solche Stolpersteine wollen die Lehrer der Gesamtschule Bockmühle ihren Schülern aus dem Weg räumen. Jugendliche Rebellion auf den Schulfluren mag ein Muss sein, am Arbeitsplatz können unpassende Kleidung, zu viel Schminke und der falsche Tonfall schnell viele Chancen zunichte machen. Aus diesem Grunde werden einmalige Fördermittel zur Benimm-Schulung des aktuellen neunten Jahrgangs genutzt. Die Schüler der insgesamt acht Klassen lernen einen Tag lang Anleitungen für das Vorstellungsgespräch, das rechte Benehmen beim Geschäftsessen und die passende Kleidungswahl. Der geladene Experte für gute Umgangsformen ist Klaus-Dieter Giersdorf, der auch am mittlerweile fünften Seminartag volle Konzentration aufbringt und verlangt. Er leitet unter anderem Fachverkäufer in Parfümerien und Bankangestellte zum respektvollen Alltagsumgang an. Bei den Neuntklässlern trifft der makellos gepflegte Herr auf wissbegierige Schüler. Für sie beginnt bald das Berufspraktikum, da kommen ihnen die modernen Knigge-Tipps äußerst gelegen. "Die Schüler erlernen bei uns üblicherweise im neunten Jahrgang die korrekte Form eines Bewerbungsschreibens", erklärt der didaktische Leiter Thomas Keller. "Jetzt bieten wir zusätzlich ein Benimm-Seminar an. Die Schüler sollen optimal auf das spätere Berufsleben vorbereitet sein." Im letzten Jahr hatte Lehrerin Annelie Benesch Initiative für eine zehnte Klasse ergriffen und ein Benimm-Seminar möglich gemacht. Jetzt kann das Angebot für einen ganzen Jahrgang stattfinden. Nach dem ersten Teil des Knigge-Kurses, der Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch, lädt Klaus-Dieter Giersdorf zur Mittagszeit ins "Restaurant Bockmühle" ein. In der Lehrküche sollen Spaghetti mit Tomatensoße serviert werden. Doch zunächst gibt es einen Sektempfang mit Orangensaft, bei dem Giersdorf nach einer kleinen Begrüßungsrede zunächst auf das richtige Halten des Sektglases hinweist. Da kann selbst Klassenlehrer Rudolf Wessing noch etwas dazu lernen und korrigiert schnell den Griff vom Kelch zum Stiel. "Wir wollen schließlich nicht das Getränk mit unseren Handflächen erwärmen", erklärt Giersdorf, der spielend von der nachgestellten Situation zur Erklärung des rechten Benehmens wechselt. Alexander (15), Makbule (14), Ilja (16) und Andrea (14) aus der Klasse 9B haben den Kurs bereits absolviert und unterstützen Giersdorf nun als Sekt-Kellner. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich so viel Neues lernen würde", sagt Andrea, die ein Restaurant-Praktikum machen wird. "Wahrscheinlich wird mir das Benimm-Seminar später weiterhelfen." Auf die rechte Kleidung haben die Schüler nach Anweisung der Klassenlehrer alle geachtet. In Hemd und Krawatte bieten sie einen unüblichen Anblick auf dem Schulgelände, zeigen aber so ihren Einsatz für das Benimm-Seminar. Jacqueline (15) wird ein Praktikum als Erzieherin machen und musste nicht viel an ihrer Kleidung ändern: "Viele Regeln kannte ich schon, doch beim Tischdecken konnte ich wirklich dazulernen." Klaus-Dieter Giersdorf weiß aus Erfahrung, dass man früh mit dem rechten Benehmen beginnen soll und gerade Schüler von solchen Kursen profitieren. Er sagt: "Gutes Benehmen sollte kein Zwang, sondern Selbstverständlichkeit sein." Wer sich heute mit der Benutzung von Benimm-Ratgebern auf den Spuren von Adolph Freiherr Knigge wähnt, sollte sich nicht täuschen. Der 1752 geborene Adlige machte Höflichkeit und Taktgefühl zwar zum Leitmotiv bei seiner Schrift "Über den Umgang mit Menschen". Tischregeln und Ähnliches finden sich bei ihm jedoch nicht in der erwarteten detaillierten Form. Wenn Schüler heute ihrem künftigen Arbeitgeber höflich und respektvoll begegnen, hätte dies jedoch sicherlich Knigges Zuspruch gehabt. |

