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„Should I stay or should I go?“ oder: die Verabschiedung der Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 9 und 10 am 11. Juni 2008

„Should I stay or should I go“ wollten „THE WORST”, die Rocker unserer Schulband, gleich zu Beginn wissen, und einige unserer Schülerinnen und Schüler müssen sich diese Frage zum Schuljahresende noch einmal neu stellen. Denn der Abschluss-Jahrgang 2008 zeichnete sich durch eine Besonderheit aus: Viele haben am Ende noch einmal kräftige Anstrengungen unternommen und so doch noch ihren Abschluss geschafft oder verbessert.

222 Schülerinnen und Schüler aus dem 10. Jahrgang und der BUS-Klasse feierten am 11. Juni in der Mensa mit ihren Familien und Freunden, ihren Mitschülern und dem Kollegium: 12 haben jetzt einen Hauptschulabschluss nach Klasse 9, 61 einen nach Klasse 10, 67 die Fachoberschulreife und 78 sogar die Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe, worauf Doris Steigüber, die Abteilungsleiterin, in ihrer Begrüßungsansprache besonders hinwies. Sie brachte dabei viele gemischte Eindrücke dieses Jahrgangs wieder in Erinnerung, die guten und die schlechten, die lustigen und die traurigen, und zog insgesamt denn doch eine positive Bilanz, gerade auch wegen des guten schulischen Erfolgs.

Mit Tanz und Akrobatik auf der Bühne begeisterten danach Schülerinnen und Schüler aus der Klasse 9D das gesamte Publikum, das die Mensa gefüllt hatte.

Klaus Prepens als Schulleiter ging in seiner Rede zur Entlassung der engen Verbindung nach, die im Lauf der Jahre zwischen den Schülerinnen und Schülern und ihrer Schule bestand, und brachte unser aller Hoffnung zum Ausdruck, dass bei allen Unterschieden, bei allen Lernerfolgen oder –misserfolgen doch hoffentlich auch Grundlagen gelegt und entdeckt worden sind für ein friedliches Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Er schloss mit der Einladung, sich doch spätestens beim jährlichen Ehemaligen-Treffen wieder an der Bockmühle einzufinden.

Viele, vor allem „starke Jungs“ aus dem 10. Jahrgang, sind dem Schulleiter dann bei seiner Einladung gefolgt, ihre schon im Schuljahr im Treppenhaus lautstark unter Beweis gestellten stimmlichen Fähigkeiten auch bei der Abschlussfeier zum Besten zu geben. Unter der Leitung von Bernd Eßler, Klassenlehrer der 10F, lieferte dieser Chor eine textlich überzeugend an Bockmühler Treppenhäuser angepasste Version von „Wir lagen vor Madagaskar“. Man merkte auch hier deutlich, dass man auf dieser Schule in jedem Fall fürs Leben lernt!

Die Beratungslehrerin Anneli Benesch überraschte die Versammlung mit einer Zusammenstellung von Fotografien aus den vergangenen zwei Jahren, bei deren Anblick manchem sicher mulmig und ein wenig wehmütig ums Herz wurde. Aber nicht nur die Schülerinnen und Schüler waren vorne zu sehen: stellvertretend für den gesamten 10. Jahrgang führte der „Darstellen-und-Gestalten“-Kurs Persiflagen der Lehrerinnen und Lehrer vor. Anhand der Mimik, der typischen Sprüche, der Körperhaltung usw. fiel es dem Publikum leicht, die Dargestellten schnell zu erraten.

Die Ehrungen für die, die sich an ganz vielen Stellen in der Schule sportlich oder musikalisch, in den Schülerbetrieben oder im Treff besonders und meist auch sehr erfolgreich eingesetzt haben, waren auch in diesem Jahr sehr ausführlich, und es gab Urkunden und T-Shirts zur Auszeichnung.

Und schließlich traten zum traditionellen Schluss die Klassenlehrerinnen und –lehrer des Abschluss-Jahrgangs auf die Bühne, um eine letztes Goodbye zu singen, bevor das Buffet in Haus 3 zur Stärkung rief, das der Schülerbetrieb „LOKAL“ und der WP I Kurs Hauswirtschaft in bewährt köstlicher Weise für diesen Anlass vorbereitet hatte.

Was wird aus unseren Schülerinnen und Schülern werden, nachdem wir versucht haben, sie aufs Leben vorzubereiten? Wir hoffen für sie das Beste und wünschen ihnen auch an dieser Stelle alles Gute!
Alexander Maurer

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Rede des Schulleiters Kl. Prepens zur Verabschiedung  des 10. Jahrgangs am 1.06.2008

Liebe Eltern,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Schülerinnen und Schüler.

Um es kurz, knapp und ruhrgebietstypisch auf den Punkt zu bringen: „Getz  happtert“.
Für zugereiste Teilnehmer/innen  der Feier: „Jetzt habt ihr es geschafft“.

Und damit ist das Ende der Gemeinsamkeiten denn auch schon längst überschritten.
Was heißt hier: Ihr habt es geschafft?
Was ist es? Was heißt geschafft? Und wer ist „ihr“?

Okay - getz =  jetzt  - ist wenigstens schon mal klar: 11. Juni 2008; 8.30 Uhr; Verabschiedung der Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs und solcher aus dem 9. Jahrgang.

Was heißt hier es - es geschafft haben: Euch allen  gemeinsam ist, dass ihr durch pures Ausharren älter geworden seid - ablesbar an Körpergröße, -gewicht, Schuhgrößen, Schminkkoffern, Handtaschen-utensilien und dem bescheinigten Ende der Schulpflicht. Das haben jetzt alle geschafft, auch die, die die Schule geschafft hat, die Familie oder der Umstand, dass es keine gab, oder irgendwas - lange vor diesem Termin.
Ab jetzt müsst ihr nicht mehr, ab jetzt dürft ihr - zumindest, was den Schulbesuch angeht.
Das immerhin haben alle geschafft.

Ist das schon das ganze Es in „es geschafft“? Es heißt auch:
  • keinen Abschluss geschafft,
  • heißt HA 9 geschafft,
  • HA 10,
  • FOR,
  • FORQ.
Kann man es, das, was man da geschafft hat, pauschal einteilen in
  • „Schuss in den Ofen“,
  • „geht so“
und
  • „Klasse“?!
Ist es, das, was man geschafft hat, definiert durch die Versetzungsordnung - und zwar ausschließlich?
Oder muss man das Es auch an dem messen, was man  wollte, was man sich mal so vorgestellt hat, als man anfing?
Hat man es nicht geschafft, wenn man einen anderen Abschluss hat als den, den andere sich für einen ausgemalt haben?
Ist es vielleicht einfach das, was möglich war, mit dem Hintergrund, den Lehrern, den Klassenkameraden, der Freundin oder dem Freund, der Clique?
Wäre es was ganz anderes, wenn man in München älter geworden wäre oder in Leipzig, beim Almöi oder hinterm Deich?
Wahrscheinlich - aber: wäre es dann besser - vielleicht?
Und mal abgesehen vom es: was heißt denn geschafft?

Das unterstellt jedem und jeder von euch Arbeit: Geschafft haben kann ja nur, wer geschafft hat, also gearbeitet. Da bin ich mir sicher, das haben nicht alle.

Und: das „Geschafft-und-Gearbeitet-Haben“ ist nicht unbedingt am Abschluss ablesbar. Was haben da manche für die Vier geackert, geschrieben, gerechnet, auswendig gelernt, gemalt - gepfuscht, einige sogar für die Fünf oder für die Katz.  Andere - haben bei ihren Nachbarn links und rechts abgeschrieben und von den Dreien die beste Note bekommen.
Die Einen sind die Meister der Herzen geworden, die Anderen Meister und beide haben auf ihre Art und Weise für das Leben gelernt und wollen und werden vielleicht mal die Rollen tauschen.
Die einen haben sich nur auf die Schulbank konzentriert und ihren Job da, die anderen auch noch auf die Schule - auf Sani-Dienste, Konzerte, Meisterschaftsspiele, SV, Zirkus, und, und, und und haben da für viele geschafft.

Und geschafft haben da auch Lehrer und Lehrerinnen, sicherlich auch mehr oder weniger und unterschiedlich erfolgreich oder besser gesagt wirksam. Viele haben es mit diesen Lehrerinnen und Lehrern geschafft; manche haben es wegen dieser Lehrer/innen geschafft, gar nicht so wenige, ein paar von euch auch trotz - und auch das muss nicht die schlechteste Erfahrung sein.

Geschafft ist also ein sehr weites und ein sehr differenziert zu betrachtendes Feld und es gibt da, um mal eine Anleihe bei dem Kabarettisten Volker Pispers zu machen, Wirklichkeiten und gefühlte Wirklichkeiten, empfundene. Wer Meister wird, hat gut gespielt, wer verliert, hatte einen schlechten Trainer.

Warum sollten Schülerinnen und Schüler sich da weniger vormachen, als die Erwachsenen. Auch bei denen - und nicht nur bei den Fußballern- ist es üblich Sieg und Profit selbst einzufahren, Niederlage und Verlust zu sozialisieren.

Trifft ein Spieler in der 94. Minute durch 19 Paar Beine hindurch das Tor und wird Meister, dann ist er cool, abgeklärt, ein Mann ohne Nerven, ein Präzisionsschütze, der sich diese Fähigkeit in langen Jahren hart erarbeitet hat.
Hätte eines dieser 19 Beinpaare dickere Socken getragen, wäre der Ball dadurch abgelenkt worden, so hätte man lesen können, die Nerven hätten versagt , weil der Trainer auf diese Situation nicht ausreichend vorbereitet habe.

Man sieht: es geschafft haben ist von vielen Faktoren abhängig und unterliegt sehr unterschiedlicher Beurteilung.
Das kann auch gar nicht anders sei und damit kommen wir zu der Fragen „Wer seid ihr?“
Einfache Antwort: Schülerinnen und Schüler

Und auch das sind schon zwei Angaben.
Wenn man T-shirt-Aufschriften glauben darf, sind die Trägerinnen Zicken, Lolitas, Gangsterbräute, Groupies, Lara Crofts, Brillenschlangen, Heidis u.v.a.m.
Für die Herren der Schöpfungen lassen sich sicher T-shirts finden, die sie als Machos ausweisen, Ohne-Helm-Skater, Sauna-unten-Sitzer, Für-Tiere-Bremser, Lehrer-Taschen-Träger, Pfandflaschen-Abgeber, Im-Unterricht-Heimlich-Raucher.
Die alle und noch viel mehr sind gemeint, wenn hier von Euch die Rede ist.
  • 220 Leute, differenziert in Jungen und Mädchen, Damen und Herren und alle Stufen dazwischen.
  • 220 Leute, aufgewachsen in 220 unterschiedlichen Elternhäusern mit vielen Geschwistern, mit wenigen, ohne. Groß geworden als Ältester, Jüngste, Mittlere, als Nachzügler. Groß geworden bei Vatern und Muttern, bei Oma und Opa, nur bei Muttern, nur bei Opa, im Heim, in eigener Wohnung.
  • 220 Leute aus 20 Nationen, geboren hier oder außerhalb Deutschlands: in Kasachstan, in der Türkei, im Libanon, in Marokko, Italien, Griechenland, Polen, in Slowenien, Bosnien, Serbien, Kroatien, Mazedonien, in Russland, in der Ukraine, in Weißrussland, in Portugal, in Spanien, in Tunesien, in England, in den unterschiedlichsten Staaten Asiens, Afrikas und Südamerikas.
Habt ihr mitgekriegt, wer ihr seid und mit wem ihr es zu tun hattet, wen ihr toll fandet, wen zum Abgewöhnen.
Ihr ward Euch eine reiche Auswahl:
  • türkischer Sauna-Obensitzer mit Goldkettchenanmache
  • deutsche Halbglatze mit polnischen Vorfahren und italienischer Freundin
  • kopftuchtragende beinharte linke Verteidigerin
  • Klitschko-Fan ohne Doktortitel, aber mit deutschem Pass und russischer Seele.
Jemand, der heute in drei Tagen entlassen wird, einer der Abiturienten, hat auf die Frage nach dem, was ihm am besten auf der Bockmühle gefallen habe, gesagt: „Wenn man 9 Jahre an dieser Schule verbracht hat, dann hat man eins gewonnen: Menschenkenntnis. An der Bockmühle treibt sich wohl so ziemlich jeder mögliche Typ von Charakter herum. Vom komplexzerfressenen Mini-Möchtegern-Macho über den durchschnittlichen Max Mustermann bis zum besten Freund, mit dem man Pferde stehlen kann.“
Wenn das das Beste an der Schule ist, dann ist das nicht das Schlechteste, das man haben kann:
  • Wenn man hier den Freund fürs Leben oder fürs Pferdestehlen findet,
  • wenn die meisten ein bisschen Max Mustermann sind, und dafür sorgen, dass der Laden  Mini-Möchtegern-Machos aushält,
  • wenn das 220-mal nebeneinander möglich ist, wenn akzeptiert ist,
  • dass die Unterscheidung in Jungen und Mädchen ausreichend ist, um allen gerecht zu werden,
  • dass man den Tag gemeinsam beginnen kann, ohne vorher 20 Nationalhymnen abzuspielen,
  • wenn die Gemeinschaft unterschiedliche Farben aushält, ohne den Wunsch nach Einfarbigkeit  Oberhand gewinnen zu lassen,
dann hattet ihr wirklich nicht die schlechtesten Bedingungen und Lernangebote.

Wenn ihr das an Erfahrung mitnehmt, neben den Abschlüssen und allem anderen, wenn ihr Nebeneinander und - wo es geht- Miteinander für euch als Prinzip beibehaltet, wenn ihr darauf besteht, dass ihr so sein dürft, wie ihr seid,und dieses Recht auch für alle anderen einfordert, wenn ihr Meinungsverschiedenheiten zwischen Ali und Dimitri nicht zu Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Türkei macht, sondern bei Ali und Dimitri lasst, wenn ihr einen Menschen nach seinem Reden und Tun beurteilt und nicht nach dem Geburtsort seiner Vorfahren, dann hätte man etwas, worauf man stolz sein könnte in diesem Lande - gemeinsam.
Nicht darauf, dass man Pole ist, Türke, Deutscher oder Pinguin, weiß, braun oder schwarz, verliebt in Jungs oder Mädchen, sondern darauf, dass man das in diesem Lande sein kann und dass man dazu beiträgt, dass das so bleibt.

Getz happtert!

Ich wünsche euch für eure Zukunft alles Gute, gratuliere euren Eltern zu euch und erkläre euch für entlassen - vorläufig …:
Am Freitag vor dem ersten Advent 2008 ist Ehemaligentreffen. Anwesenheit ist Pflicht.


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