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Georg-Gottlob-Sozialpreis für die Gesamtschule Bockmühle

Am 07.01.2008 überreichten Frau Hildegard Gottlob und die Vorstandsmitglieder der Stiftung Dr. Christian Loffing und Horst Dziobaka in der Gesamtschule Bockmühle den mit 5.000.- Euro dotierten Georg-Gottlob-Sozialpreis.
Mit dem Preis werden die Bemühungen der Schule im Bereich der Gewaltprävention gewürdigt. Die mit dem Preis verbundene finanzielle Zuwendung wird für Maß nahmen in diesem Bereich Verwendung finden.
Hans-Georg Gottlob war Schüler der Gesamtschule Bockmühle vom 01.08.1975 bis 21.05.1984. Er starb am 07. Januar 1988 als Student im Alter von nur 22.
Die von seiner Mutter gegründete und nach ihm benannte Stiftung widmet sich sozialen Aufgaben mit Einrichtungen wie etwa dem Georg-Gottlob-Haus in Überruhr.
Im Jahre 2006 wurde an der Hochschule Niederrhein im Fachbereich Sozialwesen ein Stiftungslehrstuhl eingerichtet, dessen erster Inhaber am gleichen Tage ernannt wird.
Die feierliche Überreichung von Urkunde und Scheck erfolgte im Rahmen einer kleinen Feier (10.00 - 11.00 Uhr) im Jugendbibliothekszentrum in der Gesamtschule Bockmühle.


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Angst haben sie auch
WAZ-Essen, 08.01.2008, Von Martin Spletter

Zur Gesamtschule Bockmühle (Altendorf) gehen 1500 Schüler aus 49 Nationen. Viele sind aus kaputten Familien. Deshalb haben die Lehrer den Unterricht revolutioniert. Ein Erfolg mitten im Brennpunkt: Jetzt gab es einen Preis

SCHWERPUNKT JUGENDGEWALT Jugendliche, die prügeln, sollten härter bestraft werden. Überhaupt sollten Jugendliche mehr Respekt haben, vor allem vor alten Leuten. Und die Eltern sollten besser auf ihre Kinder aufpassen, damit die nicht verwahrlosen.
Das sind die Meinungen von Justin (12), Yalcin (11), Denise (12) und den anderen Schülern der Klasse 6g an der Gesamtschule Bockmühle. Dort hat jeder zweite Schüler ausländische Wurzeln. Altendorf ist nicht Bredeney.
In der aktuellen, bundesweiten Diskussion um Jugendgewalt und Ausländerkriminalität geht es genau um sie: Kinder und Jugendliche aus mehrheitlich schwierigen Verhältnissen. Bloß: Sie selbst werden fast nie zum Thema gefragt. Dabei haben sie eigentlich die gleiche Meinung wie die Erwachsenen. Und Angst haben sie auch. "Wenn ich irgendwo drei Jugendliche zusammen stehen sehe", sagt Jennifer (13), "dann traue ich mich oft nicht an denen vorbei." - "Doch", entgegnet Marius (12) energisch, "dann erst recht, weil man seine Angst überwinden muss."
Vor drei Jahren stellten die 125 Lehrer an der Gesamtschule Bockmühle übereinstimmend fest, dass "Schülern zunehmend die Werteorientierung abhanden kommt." So sagt es Klaus Prepens, der Schulleiter. Er meint damit nicht, dass Kinder zur Schule kommen, ohne vorher gefrühstückt zu haben. Oder mit Hosen an, die aus der Caritas-Kleiderkammer stammen. Es geht nicht um Armut. Nicht nur. Sondern: "Jegliche Bindung fehlt. Wir merkten, dass wir die Schule so organisieren müssen, dass sie Familienersatz darstellt." Prepens schiebt gleich hinterher: "Obwohl sie das eigentlich nicht kann."
Also wurden vier von acht neuen Fünfer-Klassen zu "Team"-Klassen: "Statt von zehn verschiedenen Lehrern am Tag unterrichtet zu werden, kommen jetzt nur noch drei", erklärt Prepens. "Das stärkt die Bindung. Gefragt sind einfache Strukturen."
Die 6g zum Beispiel wird von Lehrerin Julia Gajewski in Sport, Naturwissenschaften, Gesellschaftslehre und Kunst unterrichtet. Obwohl sie nur Sportlehrerin ist. "Wir ersetzen Familie", sagt sie. "Um 16 Uhr ist Schluss, trotzdem wollen viele nicht gehen. Wenn wir sie nicht begleiten, begleitet sie niemand. Dann haben sie erst recht keine Chance."
Ob das neue "Team"-Prinzip erfolgreich ist, bleibt abzuwarten, glaubt der Schulleiter. "Für ein Fazit ist es zu früh." Trotzdem wurden im nachrückenden Jahrgang gleich alle acht fünften Klassen als "Team" organisiert, die neue Struktur also ausgeweitet.
Für ihre umfangreiche Arbeit zur Gewaltvorbeugung, zu der auch dieses Konzept gehört, wurde die Gesamtschule jetzt mit dem Sozialpreis der Essener Georg-Gottlob-Stiftung ausgezeichnet. Der Preis ist mit 5000 E dotiert.
Wenn Sportlehrer auch Reli und Mathe unterrichten - kann das gut gehen? "Bis zur neunten Klasse ja", schätzt der Schulleiter. Dann werde der Stoff zu kompliziert, müssten die Fachlehrer wieder an die Reihe. "Aber letztlich", sagt Prepens, "unterrichtet man nicht Fächer, sondern Menschen."