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Unsere Abiturienten/innen 2008 - ein langer, aber steiler Weg zum Erfolg
das Resümee eines Beratungslehrers


Unsere Abiturientinnen und Abiturienten:
Melissa Achiaa – Alev Akdemir – Mustafa Aslampur – Annemarie Benesch – Piet Brandt – Mohammed Diab – Sevda Erdogan – Jan Everding – Christoph Fasen – Stephanie Fink – Alexandra Hilterhaus – Sabrina Hoffmann – Martin Hünselar – Mohammad Bashir Ishaqzada – Dominik Jahnke – Tanja Karpenstein – Stefanie Knoth – Karina Kowalski – Nana Kwakye – Patrick Lindackers – Julia Merfeld – Annika Meyer – Pia Ohters – Robert Oldenburger – Hakan Öztürk – Patrizia Plewka – André Pohl – Stephan Pramann – Joshua Radak  – David Reine – Jacqueline Seemann – Tugba Tac – Katrin van der Linde – Boban Veleski – Henning Westerkamp – Dennis Wettengel – Jan Wieczoreck – Gülcan Yildiz


Sie haben es geschafft: Am Samstagabend, dem 14.6.2008, treffen sich die Schüler/innen des diesjährigen Abiturjahrgangs, um den gemeinsamen Erfolg des bestandenen Abiturs zu feiern. Dabei sind auch, und das spricht für den Zusammenhalt und das Bewusstsein, gemeinsam ein wichtiges Stück ihre Bildungswegs gegangen zu sein, diejenigen, die es im Endspurt nicht geschafft haben oder schon vor der Abiturprüfung sich mit der Fachhochschulreife zufrieden gegeben haben (oder geben haben müssen).
Bis auf in Mathematik, Biologie und Pädagogik, wo fehlerhaft konstruierte Abituraufgaben im ganzen Land zu schlechteren Noten geführt haben, haben sie sich recht gut geschlagen. Zwei von ihnen haben die Chance einer zweiten Mathematikprüfung genutzt, um dann auch noch durch mündliche Prüfungen sich die Abiturleistung zu erkämpfen. Karina und Hakan, so wir ihr euch in dieser kurzen Vorbereitungszeit und bei dem entsprechenden Stresse wacker geschlagen habt, das ist eine beeindruckende Erfahrung auch für uns prüfende Lehrer/innen gewesen!
Als ich in den letzten Tagen die Akten dieses Jahrgangs für die Ablage geordnet habe, habe ich festgestellt, wie viele von den erfolgreichen Abiturienten/innen am Ende der 4. Klasse nur eine Hauptschulempfehlung bekommen haben. Ebenfalls habe ich bemerkt, dass eine beträchtliche Zahl während der Sekundarstufe vom Gymnasium auf unsere Schule gewechselt ist. Unsere Gesamtschule scheint doch jungen Menschen Bildungschancen zu eröffnen, die ihnen nicht überall zugetraut und angeboten worden sind! Wie kann es sein, dass einem Schüler, der in meinem Leistungskurs Deutsch sich literarisch feinsinnig und an philosophischen Hintergründen sehr interessiert beteiligt hat, am Ende seiner Grundschulzeit nur sprachliche und gedankliche Schwächen prognostiziert bekommen hat? Welche tragischen Konsequenzen für das Selbstbewusstsein und die schulischen Entwicklungsmöglichkeiten der Kinder kann doch dieses frühe Sortieren haben! Entmutigte Kinder sind bei uns anscheinend wieder aufgebaut worden und haben sich neu profilieren können.
Stolz sind wir auch, dass einige Schüler/innen, die von der Haupt- oder Realschule zu uns in die Oberstufe gekommen sind, sich sehr gut entwickelt und, wie z.B. Mohammed Diab, sehr ordentliche Abiturleistungen erbracht haben.
Auch der Anteil der Schüler/innen, die Deutsch als Zweitsprache gelernt haben, ist unter unseren Absolventen/innen sehr hoch. Viele, wie z.B. Sevda Erdogan und Alev Akdemir, lassen alle andere – auch die Muttersprachler – mit ihren sprachlichen und inhaltlichen Leistungen oft meist hinter sich. Andere, wie z.B. Robert Oldenburger, der erst seit einigen Jahren aus Litauen gekommen ist, haben sprachlich noch mehr Mühe; aber auch er hat sich das Abitur erobert – und das ist nicht nur gut für ihn und ihm zu gönnen; nein: Deutschland braucht in den nächsten 10 Jahren mehrere Millionen zusätzliche Akademiker/innen; und die Schulen sind in der Verantwortung, gerade denen den Weg zu höheren Bildungsabschlüssen zu bahnen, für die das sprachliche Lernen auch noch in den Sekundarstufen weitergeht.
Ich habe in den letzten Tagen mit einem der Abiturienten gesprochen, der mir geschildert hat, wie viel seine beiden Eltern arbeiten müssen, um über die Runden zu kommen. Und von seiner Freundin aus demselben Jahrgang weiß ich, dass sie sich alleine das Geld für die Skifahrt hat erarbeiten müssen. Auch das ist gut, dass an unserer Schule (und den anderen Gesamtschulen) überproportional viele Kinder aus nicht begüterten Elternhäusern den Weg zu höheren schulischen Abschlüssen finden können.


Liebe Abiturientinnen und Abiturienten,

es hat meistens viel Freude gemacht, mit euch zu arbeiten. Wir sind stolz auf eure Leistung – und auch ein wenig auf unseren Beitrag dazu. Wir wünschen euch genügend Mut und Selbstbewusstsein, um euren Platz im Leben und Beruf zu finden. Ihr werdet weiter im Leben auf Menschen stoßen, die immer schon mehr Chancen gehabt haben. Verdrängt niemand, aber lasst euch durch keine Vorurteile selbst zu schnell in die Defensive drängen. Und vielleicht werden wir wie die Amerikaner auch einmal in Deutschland mehr darauf stolz, welchen Weg man nach oben gemacht hat, als darauf, zu denen da oben schon immer gehört zu haben.

Ich grüße auch Nur Banu Bilyaz, Nadine Both, Rebecca Buhs, Stephanie Hucke, Julian Ratzkowski, Majid Sanjaq, Michaela Schmidt, Gülden Tatli, Stefan Wenzel: Ihr habt jetzt die Fachhochschulreife erreicht und könnt euren Weg weiter durch Ausbildung, Beruf oder Studium gehen. Viel Erfolg auf dem weiteren Weg!
J. Friedrich



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