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Der Deutschlandfunk zu Gast an unserer Schule

Mittwoch, 20. August 2008: Die Sendereihe „Länderzeit“ des Deutschlandfunks strahlt ein Gespräch mit Schülerinnen und Schülern des 9. Jahrgangs der Gesamtschule Bockmühle aus.
Zur Gesprächsrunde in der Schule gehören:
  1. aus der Schule der Schulleiter Herr Prepens und Herr Abid und Herr Maurer als Religionslehrer und Organisatoren der interkulturellen Arbeit an der Schule
  2. Frau Tröster als Stadtteilmoderatorin
  3. Frau Zaghdoud vom Büro für interkulturelle Arbeit
  4. Frau Liesner  von der Stadtentwicklung in Essen
  5. Herr Saado als Organisator einer Gruppe von „engagierten Jungs“
  6. eine Selbstverteidigungstrainerin, Frau Wende.
Projekt und die Openspace-Veranstaltung „Glaube – Liebe – Zukunft“

Vorangegangen war ein Projekt mit dem Titel „Glaube – Liebe – Hoffnung“, das von der Bundeszentrale für politische Bildung, der RAA und dem Bezirksamt Neukölln in Berlin und dem interkulturellen Büro der Stadt Essen initiiert worden war. Ziel ist es, Jugendliche vor allem mit Migrationshintergrund in die politische und gesellschaftliche Arbeit ihres Wohnumfeldes zu integrieren.
Dieses Projekt gipfelte in einer „Open-Space“-Veranstaltung in der Mensa der Gesamtschule, wo Jugendliche aus Altendorf zusammen mit Altendorfer Organisationen und Initiativen auf Plakaten und in Diskussion Mängel und Stärken, Ängste und Hoffnungen erfassten, um daraus Aufgaben und Ziele der gemeinsamen Arbeit zur Verbesserung der Lebenslage im Stadtteil festzulegen.

Der Deutschlandfunk findet das Projekt spannend und lädt die Beteiligten zu einer eineinhalbstündigen Diskussion  ein. Folgende Themenbereiche werden in der Sendung angesprochen:

„Worauf kann ich stolz sein? – zuhause in der eigenen Kultur – Abgrenzung von der anderen Kultur?“

Der Moderator Jürgen Wiebikke dieser Gesprächsrunde interessiert sich dafür, warum viele Jugendliche auf den Plakaten der Projektveranstaltung an der Gesamtschule Bockmühle geschrieben hätten, dass sie stolz sind, Libanese/in, Türke/in, Muslim/in oder Deutsche/r zu sein.
Eine türkische und eine libanesische Schülerin begründen das, indem sie erzählen, dass sie sich mit der Sprache und Kultur ihres Heimatlandes verbunden fühlen, dass sie aber vor allem die Religion als wichtige Verbindung zum Land ihrer Eltern empfinden.

Wie wirkt sich der kulturelle Unterschied im alltäglichen Leben aus? Eine Schülerin aus Albanien berichtet von ihren Problemen, die nach einem anonymen Anruf bei ihr zuhause entstanden sind: Sie mache unanständige Sachen mit Jungen. Der Vater ist empört, die Mutter unsicher. Das Mädchen wendet sich an Herrn Abid, Lehrer für islamische Unterweisung und Mitorganisator der interkulturellen Aktivitäten an der Gesamtschule. Es schafft es nach einem Gespräch mit Herrn Abid, Mutter und Vater zu beruhigen. Herr Abid verdeutlicht den Eltern,  dass üble Nachrede auch religiös zu verurteilen ist;  das Mädchen benimmt sich vorsichtiger, geht aber weiterhin freundschaftlich mit Mitschülern in der Freizeit um. Dass es kulturell sehr abhängig ist, ob und welche Probleme entstehen, macht ein Mitschüler polnischer Herkunft deutlich, der erzählt, dass seine Eltern sich bei seiner Suche der Freunde und Freundinnen überhaupt nicht einmischen.
Herr Prepens als Schulleiter wird gefragt,  wie er zu diesem Stolz auf die eigene Kultur stehen würde. Er erklärt, dass man eigentlich nur darauf stolz sein könne, was man selbst oder als Gruppe erarbeitet, geleistet habe. Wenn Schüler von etwas sprächen, auf das sie stolz seien, meinten sie eigentlich etwas, an dem sie sich orientieren könnten. An seiner Schule wolle man es schaffen,  unter Menschen aus 49 Nationen gut auszukommen und zusammenzuleben.  Die Schule böte den Ort, über eigene Orientierungen und Lebensentwürfe zu sprechen. Die Schule sei ein Ort des Gesprächs und die interkulturellen Gespräche, die Herr Abid und Herr Maurer anböten, wären so ein Weg der Integration.
Kritische Hörerreaktionen werden eingespielt; darauf merkt eine Schülerin an, es wäre vielleicht falsch von Stolz zu sprechen; sie meine damit eher, dass sie über ihre kulturellen Wurzeln glücklich und für sie dankbar sei; Christen und Muslime hätten natürlich gleiches Recht, auf ihre Kultur stolz zu sein.
Frau Zaghdoud, selbst Kind der ersten Gastarbeitergeneration aus Marokko, hat mit dem Stolz ihre Schwierigkeiten;  sie wäre Deutsche und Marokkanerin. Die Jugendlichen heute hätten mehr Chancen, würden aber eine andere Identitätskrise durchmachen.

Gewalt im Stadtteil – was kann man machen?
Der Moderator spricht an, dass Gewalt ein oft genanntes Thema auf den Plakaten gewesen sei. Schüler/innen berichten, dass es nicht selten vorkommt, dass Banden und Cliquen anderen Jugendlichen die Handys oder andere Wertgegenstände stehlen und sie verprügeln; eine Schülerin erzählt, wie sie von Jugendlichen ausländischer Herkunft in der Straßenbahn angepöbelt und bespuckt wird, nachdem sie gefragt hat, ob sie ihre Musik leiser stellen könnten.
Auf die Frage des Moderators, was dagegen zu machen sei, werden verschiedene Perspektiven angeboten:
  1. Herr Saado, der die jungen Leute in ihrer Kultur und Sprache versteht, berichtet von seiner fünf Jahre alten Initiative, ältere Jugendliche, die nur herumgehangen, andere provoziert und aus Langeweile viel zerstört haben, für positive Aktionen zu motivieren. Diese 16 „engagierten Jungs“ helfen jetzt anderen,  reinigen Spielplätze und nehmen an Antigewalt- und Streitschlichtungstrainings teil.
  2. Frau Michaela Wende wird einen Selbstverteidigungskurs für Mädchen anbieten, damit sie lernen, wie sie sich besser bei Übergriffen verhalten können.
  3. Im Stadtteil sind interkulturelle Gesprächsrunden entstanden; Frau Tröster bietet Hilfe bei der Organisation von Gesprächskreisen an, die die Schüler/innen selbst vorgeschlagen haben.
  4. Frau Liesner schlägt den jungen Leuten im Stadtteil vor, sich an der Planung und Umsetzung neuer Aktivitäten und Einkaufs- und Beschäftigungsmöglichkeiten im Stadtteil Altendorf, in dem einige Geschäfte leer stehen, zu beteiligen.
  5. Herr Prepens erklärt, wie die Schule versucht auf die Veränderungen im Umfeld zu reagieren: In einem neuen Teamkonzept werden am dem 5. Jahrgang Zusammenarbeitformen in den Mittelpunkt gestellt: Tischgruppen werden aus Jungen und Mädchen und Leistungsstarken und –schwächeren zusammengestellt, damit die Schülerinnen und Schüler miteinander ins Gespräch kommen, erfahren, wie man den Alltag gemeinsam bewältigt und wie man Konflikte löst; sie sollten nach 6 Jahren darauf stolz sein können, das gut hinbekommen zu haben. Der Moderator bestätigt, dass auf vielen Plakaten zu lesen gewesen ist: „Wir sind stolz auf unsere Schule, unsere Klasse!“. Herr Maurer gibt ebenfalls der Schule eine wichtige Rolle: Die Lehrer/innen seien 8 Stunden täglich mit den Jugendlichen zusammen, teilten ihre Erfahrungen im schulischen Alltag. Die Aufgabe sei es, die Energien der Kinder und Jugendlichen positiv auszurichten; und die Schule würde damit zeigen, wie man es besser machen könne als auf der Straße. Die Schüler/innen bestätigen das und berichten von Mittagspausenangeboten, Antikonfliktprogrammen und vom Unterrichtsalltag an der Schule, in dem man lernen kann, wie man mit Konflikten gewaltfrei umgehen kann.
J. Friedrich


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