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Interview mit dem Schulleiter Herrn Prepens

Wie sind Sie denn zu unserer Schule gekommen?
1973 habe ich meinen Vorbereitungsdienst beendet an einer Realschule in Bochum. Wie alle anderen Lehramtsanwärter auch habe ich mich nach einer Schule umgesehen, an der ich gerne arbeiten möchte. Die GE Bockmühle war damals eine ganz neue junge Schule und Schulform. Der damalige Leiter, Dr. Winheller, sprach mich im Rahmen einer Veranstaltung darauf an, ob ich nicht an der Bockmühle mitmachen wolle. Die Chance, was ganz Neues zu machen - Gesamtschule eben -, die Chance, Einfluss auf Entwicklung zu haben, und die Reformstimmung der damaligen Zeit führten dann dazu, dass ich 1973 zur Bockmühle gegangen bin.

Warum sind Sie so lange an einer Schule geblieben - es sind Ihnen doch sicher im Laufe der Jahre auch Alternativen geboten worden?
Geblieben bin ich, weil es hier für mich immer was zu tun gab. Ich war und bin Fachlehrer, war Klassenlehrer, Beratungslehrer und Abteilungsleiter. Es war nie langweilig, weil Schule sich immer verändert. Sie verändert sich durch Regeln, Erkenntnisse, Gesetze und Erlasse, aber am meisten eigentlich durch die Menschen, die an dieser Schule in den unterschiedlichen Zeiten zusammen gelernt und gearbeitet haben und die Schule so veränderten, wie sie sich selbst verändert haben.

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Andere Angebote und Anfragen hat es in den Jahren gegeben, aber keine, die für mich eine Alternative zur Bockmühle gewesen wären.
Liegt vielleicht auch daran, dass ich ein ziemlich bodenständiger Mensch bin. Noch länger als mit der Schule bin ich mit meiner Frau verheiratet.

Was war und ist Ihnen in Ihrer Aufgabe als Schulleiter am wichtigsten?
Die Frage nach dem, was am wichtigsten für mich als Schulleiter ist, lässt sich relativ einfach beantworten: die Menschen, mit denen ich jeden Tag zu tun habe, die Schüler/innen, die Eltern, die Lehrer/innen und die Mitarbeiter/innen im PPD und in der Verwaltung. Man kann da nicht jedem jeden Tag einen Gefallen tun, man muss Entscheidungen treffen, die dem einen gefallen und der anderen nicht, die auch weh tun können, auch falsch sein können: ich möchten meinen Job so machen, dass mir alle Beteiligten unterstellen, fair und gerecht sein zu wollen und mich nach meinen Kräften für die Schule einzusetzen.

Wenn Sie Ihre Schule mit drei Worten charakterisieren müssten, was würden Sie da sagen?
Meine drei Wörter wären:    groß   -    gut   -   unterschätzt
Groß würde vielleicht jeder sofort sagen und „big" meinen. Vorwürfe dazu aus der Vergangenheit und der politischen Diskussion sind „Lernfabrik“  und „Massenbetrieb“. Genau das meine ich mit Größe nicht. Ich meine mit groß „great". Die Größe liegt darin, dass sie eben trotz der hohen Schüler- und Lehrerzahlen, der riesigen Fläche und Gebäude kein Massenbetrieb ist und keine Lernfabrik, dass man sich hier bemüht, jeden wahrzunehmen und für jede ansprechbar zu sein. Ein Abiturient hat in seiner Abschiedsrede von familiär gesprochen, und wer die Verabschiedung eines 10. Jahrgangs in den letzten Jahren erlebt hat, der weiß, dass das stimmt.
Gut ist eine Schule dann,
  1. wenn sie sich in ihrem Angebot an den Leuten orientiert, für die sie da ist,
  2. wenn sie das, was sie für notwendig erachtet, umsetzt,
  3. wenn die Schüler/innen dabei wichtiger bleiben als die Fächer,
  4. wenn sie sich kümmert. Das wird an der Bockmühle gemacht.
Unterschätzt wird die Bockmühle häufig und in mehrfacher Hinsicht, nicht von denen, die hier sind oder ihre Kinder hierher schicken, sondern von ganz vielen, die die Schule nur vom Hörensagen kennen, die glauben, groß müsse chaotisch sein, unübersichtlich und schlecht organisiert. Das sind wir alles nicht.

Wenn Sie für Ihre Schule Werbung machen müssten, was würden Sie da besonders herausstellen?
Etwas in der Werbung / für die Werbung herauszustellen, ist schwierig. Die potentiellen „Kunden" sind ja an unterschiedlichen Angeboten interessiert und messen den Angeboten der Schule unterschiedliche Bedeutung zu. Da kommen Leute wegen des Sportangebotes (Mittagspausensport, Sportklasse, Schulmannschaften, Meistertitel, Leistungskurs Sport, Wahlpflichtbereich Sport), andere fühlen sich durch die intensive Berufswahlvorbereitung angesprochen (Schnupperpraktikum, Tagespraktika, Infowoche, Schülerfirmen, Betriebspraktika, Laubahnberatung, die vier Schülerfirmen); eine Rolle spielt das Angebot, in der Schule ein Musikinstrument zu lernen, wichtig ist anderen die Hausaufgabenbetreuung; das Programm Europaschule interessiert, verbunden damit die Schulpartnerschaften, der Schulgarten, das Orchester, der Ganztagsbereich.
Wenn man etwas herausstellen soll, dann vielleicht das, was allen gemeinsam ist. Alle diese Angebote hängen an Personen, liefern nicht nur Inhalte, sondern auch Kontakte, Ansprechpartner, Menschen mit einem offenen Ohr und der Bereitschaft, sich zu kümmern - weit über den Unterricht hinaus.

Was waren bisher die einschneidendsten/prägendsten Erfahrungen für Sie als Lehrer und Schulleiter?
Die intensivsten Erfahrungen sind immer Begegnungen mit Menschen. Biographien von Schülerinnen und Schülern haben mich beeindruckt, von Kolleginnen und Kollegen aus allen Bereichen der Schule, von Eltern. Man bekommt eine Menge Anregung, findet Bestätigung für Engagement und lernt Respekt.

Was hat Ihnen in den letzten Wochen an Ihrer Schule einmal ganz viel Freude gemacht?
Ganz viel Freude herrschte in den letzten Tagen, als ich erfuhr, dass die C-Jugend Mädchen Landesmeister im Fußball ist und nach Berlin fährt.

Gibt es beruflich etwas, was Sie manchmal nicht ruhig schlafen lässt?
Unruhig schlafe ich eigentlich nur dann, wenn ich das Gefühl habe, eine schwierige Lage oder eine Fehlentscheidung leichtfertig verursacht zu haben.

Was macht Ihnen die größten Sorgen, wenn Sie die Schüler/innen von heute erleben?
Sorgen macht mir die Tatsache, dass viele Jugendliche heute mit dem Überangebot an Information, das in allen Bereichen zur Verfügung steht, nicht richtig umgehen können, weil Strukturen und Normen fehlen, um diese Fülle zu sortieren. In solchen Zeiten entsteht oft der Wunsch nach Eindeutigkeit und Klarheit und die Bereitschaft, irgendeinem Guru zu folgen, um irgendwohin zu gehören, wächst, wie man überall sehen kann.

Wie viel kann Schule bei den Kindern und Jugendlichen von heute bewirken? Kann Schule heute noch „auf das Leben vorbereiten"?
Die Aufgabe von Schule liegt genau an dieser Stelle: die Schüler/innen gemeinsam Normen, Werte, Regeln finden zu lassen, die ihnen helfen, sich verantwortlich in unserer Gesellschaft zu orientieren und an ihr teilzunehmen. An unserer Schule lernen Schüler/innen aus 49 Nationen; nach unserem neuen pädagogischen Konzept geht es genau darum, diese gemeinsame Lernzeit nicht nur für den Erwerb notwendiger Kenntnisse und Erkenntnisse in Deutsch, Englisch und Mathematik zu nutzen, sondern auch dafür, den täglichen Umgang miteinander sechs Jahre zu proben, und zu erleben, wie man Konflikte friedlich lösen kann. Ich habe die feste Hoffnung, dass Schule - und gerade unsere Schule an unserem Standort - einen ganz wesentlichen Beitrag zum friedlichen Miteinander leisten kann. Das wäre die wichtigste Vorbereitung auf das Leben, dass jemand Rattenfängerparolen an eigenen Ansprüchen messen kann und nicht darauf angewiesen ist, solchen Parolen hinterherzulaufen.

Was haben Sie sich an dieser Schule noch vorgenommen? Was wünschen Sie sich für Ihre Schule in den nächsten Jahren?
Wir sind seit mehreren Jahren in einem großen Prozess der Umgestaltung unserer Schule. Wir machen das, weil wir auf die Veränderungen reagieren müssen und wollen, die sich in der Gesellschaft vollziehen, in unserem Umfeld, und die in unsere Schule hineinwirken. Diese Umgestaltung wird sich noch über Jahre hinziehen und eine Menge an Arbeit und Diskussion mit sich bringen. Daran möchte ich mich nach meinen Möglichkeiten beteiligen. Und Wünsche? Ich wünsche den Lehrerinnen und Lehrern der Schule, dass sie für ihre Schüler/innen immer die richtigen Antworten finden und finden wollen, sensibel bleiben für Veränderungen, sich weiter engagieren und die Kraft dazu vielleicht auch daraus schöpfen, dass sie öffentlich wahrgenommen werden in dem, was sie für die Gesellschaft konkret hier vor Ort leisten.
Und ich wünsche den Schülerinnen und Schülern, dass sie hier immer auf Lehrer/innen treffen, denen sie wichtiger sind als die Fächer, die diese unterrichten.
(Die Fragen der Redaktion der Homepage beantwortete Herr Prepens im August 2008)