Kai Zimmermann war gerade 16 und hatte nur einen Wunsch: Schreiner werden. Der Mann bei der Berufsberatung hat ihn angeguckt, als erzähle ihm jemand von einem bevorstehenden Lottogewinn. Hunderte von Bewerbern und nur ein paar Ausbildungsplätze, da haben die Betriebe ausgerechnet auf ihn gewartet. Hauptschüler, kein ganz so dolles Zeugnis, gelegentlich ein bisschen spät zum Unterricht erschienen - im Ergebnis heißt das: keine Chance. "Ich war schon ziemlich verunsichert", sagt Kai heute, fast vier Jahre später und um manche Erfahrung reicher. Die verdankt er vor allem dem Verein "Paten für Arbeit", der sich um benachteiligte Essener Jugendliche kümmert. Oder besser: Er verdankt sie Rüdiger Klahr. Der ist sein Pate.
Seit 1998 gibt es den Verein, Klahr ist seit vier Jahren dabei. "Irgendwann hatte ich das Gefühl, ich müsste was zurückgeben." In seinem Berufsleben habe er immer Glück gehabt. Zur richtigen Zeit die richtigen Leute gekannt, wenn dann noch die Voraussetzungen stimmen, hilft das sehr. Früher sorgte Klahr am Grillo-Theater dafür, dass technisch alles reibungslos über die Bühne ging, seit 1998 ist er Technischer Leiter an der Folkwang-Hochschule.
Den Kontakt zu Kai Zimmermann stellte eine Vertrauenslehrerin an der Gesamtschule Bockmühle her. Die gehört zu den fünf Essener Schulen, mit denen der Verein zusammenarbeitet. Nach den ersten beiden Gesprächen waren sich "Pate" und "Patenkind" einig: Das passt. Auf beiden Seiten wuchs das Vertrauen, irgendwann empfand es Kai so: "Das ist ein unheimlich beruhigendes Gefühl, wenn einem der Rücken gestärkt wird." Moralische Unterstützung gab's, dazu ganz praktische Hilfe. "Wir sind keine Psychiater oder Therapeuten", sagt Klahr, "aber es geht ja auch nicht um Leute, die mit der Kettensäge durch die Stadt laufen." Betreuung ist gefragt, weil die Jugendlichen sich schwer tun, die eigenen Begabungen zu entwickeln. Also werden gemeinsam Bewerbungsmappen erstellt, die Fallen von Vorstellungsgesprächen ausgelotet, die Motivation gesteigert. Man trifft sich alle paar Monate, telefoniert zwischendurch. Klahr: "Ich biete meine Hilfe an, stelle Kontakte her. Überbetreuung wäre gefährlich, und klappen kann das ohnehin nur, wenn auch das Elternhaus mitspielt."
Bei Kai hat's geklappt: Unter 62 Bewerbern bekam der jetzt 19-Jährige die Lehrstelle als Schreiner bei der Stadt-Tochter "Theater & Philharmonie", im nächsten Jahr ist Abschlussprüfung. Eigentlich wär's das dann mit der Patenschaft. "Aber Kai", sagt Rüdiger Klahr, "wird mir auch danach immer willkommen sein." |