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"Glaube, Liebe, Zukunft" - Schüler live im Radio
WAZ, Essen-West, 15.09.2008, Von Sonja Pizonka
Die Diskussion aus der Gesamtschule Bockmühle kann als Podcast auf der Webseite des Deutschlandfunks gehört werden Altendorf. Der Dreiklang "Glaube, Liebe, Hoffnung" als Zusammenfassung christlicher Tugenden ist allgemein bekannt. Allein mit Hoffnung wollen sich die Schüler der Gesamtschule Bockmühle nicht zufrieden geben. "Glaube, Liebe, Zukunft" lautet deshalb der Titel eines Stadtteil-Projekts des Büros für interkulturelle Arbeit.
Im Juni trafen sich alle Schüler des achten Jahrgangs in der Mensa, um gemeinsam zu erarbeiten, was ihnen im Leben wichtig ist. Das Ergebnis aus langen Diskussionen, persönlichen Aufzeichnungen und intensiver Gruppenarbeit stellen die Schüler nicht allein ihren Lehrern und Stadtteilarbeitern vor. Etwa 30 Jugendliche des mittlerweile neunten Jahrgangs stehen bei einem Gruppen-Radiogespräch des "Deutschlandfunks" Jürgen Wiebicke, Moderator der "Länderzeit" live Rede und Antwort. Im Pausencafé "Treff" haben sie sich im großen Stuhlkreis versammelt. Ihnen zur Seite stehen Schulleiter Klaus Prepens, Schulpfarrer Alexander Maurer sowie Brigitte Liesner vom Büro für Stadtentwicklung. 90 Minuten soll das Gespräch dauern, unterbrochen von zwei Nachrichtenblöcken. Halima Zaghdoud vom Interkulturellen Büro erklärt den Radiohörern kurz den Hintergrund des Projekts: "Wir wollten den Alltag der Jugendlichen besser kennen lernen und ihre Ideen zur Verbesserung der Jugendangebote unterstützen. So sollen jungen Menschen demokratische Prozesse nahe gebracht werden." Das Unternehmen trägt den langen Titel "Jugendkultur, Religion und Demokratie - politische Bildung mit jungen Muslimen in Berlin-Neukölln und Essen-Katernberg/Essen-Altendorf". Dabei sollen Schüler notieren, worauf sie stolz sind und was sie bedauern. Stolz sind die Jugendlichen auf ihre Schule und ihre Klassen, auf ihren Zusammenhalt und immer wieder auf Fußballergebnisse. Auffällig ist allerdings die immer ständige Betonung, stolz auf Vaterland und Nation zu sein. Etwa die Hälfte der Gesamtschüler haben ausländische Wurzeln. Jürgen Wiebicke will wissen, wie intensiv dieser Nationalstolz ist. Er befragt Khadja. Für sie ist der Stolz auf ihre libanesischen Wurzeln selbstverständlich. Sie fühle sich im Libanon heimisch, weil dort ihre Eltern statt gebrochenem Deutsch ihre Muttersprache sprächen und sie ihren kulturellen Hintergrund nicht erklären müsse. Die 14-jährige Gina meint: "Viele Erwachsene können sich gar nicht mehr vorstellen, wie wir Jugendlichen fühlen. Trotzdem treffen sie die Entscheidungen." Themen wie Nationalstolz, Gewalt und der Dialog der Kulturen prägen den Schul-Alltag. Khadja will einen Dialogkreis gründen, damit Schüler verschiedene Religionen besser kennenlernen können. Ihr Mitschüler Kamil möchte einen Trainingsort für die Sportart Parcours. Am Schluss der Live-Sendung sind alle ein wenig erschöpft und freuen sich auf die Pause. Moderator Wiebicke ist mit dem Gesprächsverlauf zufrieden: "Es ist gut, dass auch negative Themen an dieser Schule diskutiert werden. Nichts ist schlimmer als über Probleme zu schweigen." Den Radiobeitrag hört man als Podcast beim Eintrag "Länderzeit" unter: www.dradio.de oder hier |

